Originaltitel: AN INCONVENIENT SEQUEL: TRUTH TO POWER

USA 2017, 98 min
FSK 6
Verleih: Paramount

Genre: Dokumentation

Regie: Bonni Cohen, Jon Shenk

Kinostart: 07.09.17

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Immer noch eine unbequeme Wahrheit: Unsere Zeit läuft

Wichtiges Thema etwas schwach fortgesetzt

Mit dem sperrig-langen Titel angefangen, kommt auch beim Schauen des Dokumentarfilms seine Inkonsistenz zum Vorschein. Was will dieser Film, als elf Jahre nach Erscheinen seines Vorgängers EINE UNBEQUEME WAHRHEIT erneut anzuprangern, daß die Ausbeutung unserer Erde verheerende Schäden mit sich bringt? Im Englischen trägt der zweite Teil des Titels „Truth To Power“ immerhin einen investigativen Charakter, jedoch verspricht dieser mehr, als der Film einhalten kann.

IMMER NOCH EINE UNBEQUEME WAHRHEIT: UNSERE ZEIT LÄUFT ist vielmehr ein Porträt über und eine Hommage an Al Gore, den Umweltaktivisten und ehemaligen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, der das Thema Klimawandel mit seiner Aufklärungsarbeit wie kein anderer ins Bewußtsein der Menschen rückte. Starke Bilder, wie herabbrechende Eisberge des Grönländer Gletschers und Massengräber in Tacloban, wo 2013 Taifun Haiyan wütete, werden zu Momenten, die einen mehr als nachdenklich zurücklassen. Der Einsatz von dramatisierender Musik als Verstärkung ist dabei nicht nötig, Stille hätte als eindrücklicheres Stilmittel in Erwägung gezogen werden können.

Die Handlung des Films orientiert sich an den Verhandlungen zum Pariser Klimagipfel 2015. Hier thematisiert er anschaulich, wie aktuelle Geschehnisse in den Arbeitsalltag von Al Gore hineinreichen, wie etwa die Terroranschläge in Paris. Doch anstatt Al Gore vermehrt als öffentliche Person zu zeigen, die mit Fans Selfies macht, hätte ein Fokus auf die spannenderen Momente, in denen er nach langer politischer Arbeit an die Grenzen des Machbaren stößt, es heikel im Gespräch mit Klimawandel-Verweigerern wird, und man noch mehr Opfern des Klimawandels eine Stimme gibt, dem Film geholfen, seine Rigorosität zu behalten.

Eindeutige Drastik bekommt das Werk durch die Wahl Trumps mit dem Ergebnis des Ausstiegs Amerikas aus dem Klima-Abkommen. Als Update, wie es mit dem Klimawandel 2017 steht, mag der Film durchaus Relevanz besitzen und für Menschen, die sich einen Überblick verschaffen wollen, ein unterhaltsamer und lehrreicher Einsteig sein. Interessant wäre gewesen, wenn es schon um Al Gore als Person gehen soll, genauer zu analysieren, wie sich die Rolle eines Vermittlers und Moderators heute definiert, wenn sich die Fronten so drastisch verhärten.

[ Katharina Wittmann ]

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