Originaltitel: LOVING VINCENT

GB/Polen 2017, 95 min
FSK 6
Verleih: Weltkino

Genre: Biographie, Experimentalfilm, Drama

Darsteller: Douglas Booth, Jerome Flynn, Saoirse Ronan

Regie: Dorota Kobiela, Hugh Welchman

Kinostart: 28.12.17

16 Bewertungen

Loving Vincent

Die Liebe zu den Superlativen

Ein Film über eine der wirkmächtigsten Persönlichkeiten der Kunstgeschichte, die sich mit einem der traurigsten Künstlerschicksale herumschlug, umgesetzt in einem denkbar aufwendigen Animationsverfahren, bei dem 124 Kunstmaler rund 65.000 Bilder in Van-Gogh-Manier herstellten, um dem Publikum nach einer Produktionszeit von sechs Jahren das weltweit erste vollständig in Öl angelegte UND abendfüllende Kinoerlebnis zu bescheren. Oha. LOVING VINCENT ist ein Rekordversuch. Es geht – das belegen die Zahlen – um Arbeitsschweiß und Höchstleistungen. In welcher Disziplin, bleibt noch zu klären. Genau wie die Frage, wen oder was es dabei zu besiegen gilt – und ob auch der Zuschauer dafür Muskeln anstrengen muß.

Immerhin, die Augen sollten beweglich sein, denn sie bekommen ordentlich zu tun. Akribische Nachbildungen des markanten Van-Gogh-Impastos lassen die Übergänge zwischen den Einzelbildern wallen und wogen. Bekannte, Freunde und Förderer des Malers, die er in Porträts festhielt, werden zum Laufen und Sprechen gebracht. Eigentlich „durchgetrocknete“ Stilleben und Landschaften verwandeln sich, vielleicht nur ein Blinzeln lang, in wabernde Pigmentmaterie, so als wollten sie per Verflüssigung jedem festen Blick ausweichen. In solchen Stilübungen spinnen Dorota Kobiela und Hugh Welchman unter tätiger Mithilfe besagter Heerschar von Kopisten die Bildwelt des Vincent van Gogh weiter – mit Sinn für Effekte und Spektakel, mit Freude am technisch Machbaren und einer unbescheidenen Lust am eigenen Können.

Wenn sich die Augen aber irgendwann an den wimmelnden Strichen sattgesehen haben, hält man nach einem erzählerischen Entwurf Ausschau, der dem auf Superlativen einherschreitenden „Designkonzept“ ebenbürtig wäre. Und stößt statt auf Spektakuläres auf viel Konventionelles: Rückblenden in Schwarzweiß, ein bisweilen onkelhafter Sprachduktus, die summarische Abhandlung von Lebensstationen und Begegnungen. Unter der aufgewühlten Oberfläche breitet sich eine im Grunde glatte, manchmal betulich vorgetragene Filmbiographie aus. Natürlich horcht die der Sache mit dem Ohr nach, lauscht in die Ecken des Charakters hinein und widmet sich eifrig Spekulationen über des Künstlers Freitod. Der angeschlagene kriminalistische Ton wird jedoch nicht lange genug gehalten, um die bekannten Mutmaßungen wie einen aufregenden neuen „Fall“ klingen zu lassen.

[ Sylvia Görke ]

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