D 2004, 116 min
Verleih: X Verleih

Genre: Drama, Historie, Polit

Darsteller: Julia Jentsch, Alexander Held, Fabian Hinrichs, André Hennicke

Stab:
Regie: Marc Rothemund
Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Kinostart: 24.02.05

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Sophie Scholl – Die letzten Tage

Requiem für eine Unbeugsame

So gut oder schlecht die rege filmische Aufarbeitung deutscher Geschichte ausfallen mag - selbst mißlungene Versuche wie DER UNTERGANG muß man davor in Schutz nehmen, als Kronzeuge für die im vaterländisch-beschwipsten Blättlein "Junge Freiheit" gelobte "geistig-kulturelle Epochenwende" im deutschen Film aufgerufen zu werden. Die chauvinistische Eloge auf die Wiederentdeckung "nationaler Stoffe und Mythen", garniert mit Einlassungen über "penetrante antifaschistische und multikulturalistische Dauerbombardements", schloß ungefragt auch Marc Rothemunds Film über Sophie Scholl ein. Wie wehrt man sich gegen falsches Lob?

Mit einer konsequent emotionalen Studie über eine der wenigen Gestalten des deutschen Widerstands, die man ungebrochen verehren kann, die den Stauffenberg-Bewunderern die richtigen Fragen stellt, die als stille Hymne auf laute Zivilcourage für sich spricht. Und das zumindest fällt Rothemund leicht.

Aus der Sicht von Sophie, angefangen mit der Verhaftung der Geschwister, wird ihre Zeit im Gefängnis bis zur Hinrichtung im Februar 1943 geschildert. Im Zentrum die Verhöre durch den Gestapo-Beamten Robert Mohr - Insistieren, Vorsicht, angerissene Debatten über Verrat und Gewissen, schließlich Sophies klares Bekenntnis. Eindrücklich und differenziert gespielt sind beide. Julia Jentsch gibt ihrer Sophie in der räumlichen und geistigen Enge jenes Ortes eine charakterliche Tiefe, in der Angst und Mut, Mädchenhaftes und Reife ganz selbstverständlich zusammengehören.

Rothemund und Drehbuchautor Breinersdorfer greifen erstmals auf Original-Vernehmungsprotokolle zurück, die bis zur Wende kaum zugänglich in DDR-Archiven lagerten. Und sie wuchern mit diesem Pfund an Authentizität. Wenn sich auch der Wortlaut dieser Dokumente, immerhin für die NS-Bürokratie verfaßt, nicht immer in glaubwürdigen Film-Dialogen niederschlägt.

Regisseur Michael Verhoeven setzte in DIE WEISSE ROSE (1982) eindrucksvoll um, was er in einem Interview so auf den Punkt brachte: Reduzieren, damit man es noch glauben kann. Vor allem für die Darstellung des berüchtigten NS-Richters Freisler, bei Verhoeven mit größter Zurückhaltung, hier aber mit überzogenem schauspielerischen und inszenatorischen Ehrgeiz gelöst, wäre das wichtig gewesen. Es gibt schon genug Karikaturen.

[ Sylvia Görke ]

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