1. Kinotage Leipzig im Rahmen der 19. Filmkunstmesse

16.09.–20.09.2019

Kinobar Prager Frühling, Passage, Schauburg

www.filmkunstmesse.de




Bild: SKIN

Bewährtes und Umschwünge

Ein Blick auf die 1. Kinotage Leipzig im Rahmen der 19. Filmkunstmesse

Das öffentliche Programm der Filmkunstmesse heißt ab sofort „Kinotage“ – Kuratorin Hendrike Bake informiert dazu: „Wir haben gemeinsam mit den Leipziger Kinos aus dem Angebot der Messe ein Programm speziell für Leipzig zusammengestellt. Die Kinotage sind damit ein Stück unabhängiger geworden, aber dienen auch als Showcase, wie eine Herausbringung der Filme im Kino später aussehen könnte.“ Bei weitem nicht bloß darüber wird wieder eine vierstellige Anzahl Fachbesucher kommunizieren, da analysieren, dort kritisch hinterfragen, aktuelle Branchenprobleme wälzen. Weil das Ohr dabei an die Zuschauer gehört, bittet eine freie Paneldiskussion um rege Beteiligung zum Thema „Wie politisch ist Kino heute? Welche Rolle spielt der Ort Kino für öffentliche Debatten?“ Debattieren Sie also lebhaft, artikulieren Sie ihre Erwartungen und Wünsche, arbeiten Sie aktiv daran, ein Stück kulturelle Zukunft zu gestalten!

Und bedienen Sie sich parallel am reichhaltig aufgetischten Angebot, dessen Qualität drei exquisite Eröffnungsfilme nachdrücklich widerspiegeln: Bong Joon-hos Goldene-Palme-Gewinner PARASITE treibt (metaphorische wie wortwörtliche) Klassenkämpfe zum Äußersten. DER GEHEIME ROMAN DES MONSIEUR PICK schenkt Fabrice Luchini einen Charakter voller Charme und Witz, während in DER GLANZ DER UNSICHTBAREN wohnungslose Frauen um ihr von Schließung bedrohtes Tageszentrum ringen. Weitere Highlights kurz erwähnt: Die chinesische Familiensaga BIS DANN, MEIN SOHN gewann auf der Berlinale beide Darstellerpreise, mit DIE KINDER DER TOTEN wurde Elfriede Jelineks nach eigener Aussage wichtigstes Buch adaptiert, und Jamie Bell beeindruckt in SKIN als aussteigender Neonazi.

Besondere Aufmerksamkeit bekommt ebenfalls das Neue Deutsche Kino spendiert: ALL I NEVER WANTED porträtiert vier Frauen, die ihren Platz in der (Medien-)Gesellschaft suchen, und CRESCENDO verfolgt, wie innerhalb eines palästinensisch-israelischen Jugendorchesters Spannungen auftreten. Nicht nur alle diese Vorführungen begleiten Gäste, sie reichen sich quasi die Klinke, unter anderem stellen OH BOY-Regisseur Jan-Ole Gerster oder Doku-Meister Erwin Wagenhofer ihre neuen Werke LARA bzw. BUT BEAUTIFUL persönlich vor.

Das junge Kino hat nix mit Kindlichkeit zu tun, bietet stattdessen den wunderbar Mainstream und Arthouse verheiratenden BOOKSMART, hier möchten zwei selbstvergessen fleißige Schulabgängerinnen Versäumtes nachholen, richtig Party machen. Hingegen erzählt die Jugendbuchverfilmung ZWISCHEN UNS DIE MAUER eine Liebesgeschichte; was ewigem Glück allerdings zusätzlich zu elterlichen Ressentiments massiv im Wege steht, verrät bereits der Titel.

Schließlich freut Ruhelose, daß aus dem bisherigen Midnight Special gleich eine ganze Kinonacht erwuchs – darin locken drei umtriebige Kleinode ungewöhnlicherer Gangart. Es liegt jetzt an Leipzigs Publikum, die dargebotene Hand zu ergreifen und laut „Ja, ich will …“ zu sprechen!

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...


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