[ 02.04.2026 ] Ich bin ein großer Verfechter des Kinos als Möglichkeit zur Alltagsflucht. In meinen Augen darf ein Film unbedingt die Möglichkeit für puren Eskapismus bieten – in jede Richtung. Also: einen lachen lassen, wenn es gerade wenig zu lachen gibt, Angstgrenzen ausloten, da man es sich im fiktionalen Horror ja dann doch gemütlicher als im echten Leben einrichten kann, durchaus auch mal zur leichten Berieselung taugen, wenn im Alltag ohnehin schon „Oberkante Unterlippe“ herrscht. Kino ist auch Freizeit, darf daher vergnüglicher Konsum sein und ist damit ja eh – gottlob – nur eine Facette dieser schönsten aller Künste. Denn das, was bleibt, was weit über Zerstreuung hinausgeht, hat ja perspektivisch ganz anderen Wert, das schreibt bisweilen Filmgeschichte, oder – und damit eigentlich eine Nummer größer – es macht einen klüger, erfahrener, besänftigter und im besten Fall glücklicher. Häufig sind das Geschichten, die größer als unser Leben sind, ab und an sind es aber auch solche, in denen man sich wiedererkennt, die einem quasi verstehend zuzwinkern, Leid und Entscheidungen teilen lassen und Freude ebenso.
Im April gibt es solche Filme, die bleiben. VIER MINUS DREI ist definitiv einer davon. Adrian Goigingers Werk über tiefe Trauer und immense Lebenslust nimmt den Zuschauer fest in die Arme, selten vermochte es ein Film derart, in sich empathisch zu sein. Wer Trauererfahrung hat, wird Barbara in ihrer Fragilität gut verstehen, sich aber vielleicht auch etwas von ihrer immensen Stärke und Lebenszugewandtheit wünschen. Mit ALPHA kommt ein weiterer Film in die Kinos, der bleibenden Eindruck machen wird. Julia Ducournaus auf optischer und erzählerischer Ebene atemstockende Kinowucht enttarnt mit der Geschichte der halbwüchsigen Titelheldin den moralischen und seelischen Ausverkauf einer Gesellschaft, wenn sie sich auf den wackligen Boden von Panik und Vorurteil begibt.
Unbedingt zu erwähnen wäre auch der Film A MISSING PART. Wenn einem die sprichwörtliche Nächstenliebe aufgrund von Paragraphen verwehrt wird, dann wird das Leben zum Kampf – wie hier bei Jay, der nach einer Scheidung in Tokio um das Sorgerecht seiner Tochter Lily gebracht wird. In dem gänzlich anders gearteten Film ROMERÍA geht es auch um Zusammenführung in Familie, dabei muß sich die in ihrer Natürlichkeit einnehmende Hauptfigur Marina dunklen Geheimnissen stellen, die sehr viel mit Scham zu tun haben.
Die genannten Filme sind gewiß nicht Teil des eingangs erwähnten eskapistischen Kinos, sollten aber unbedingt, auch in anhaltend komplizierten Zeiten, ihre Chance bekommen. Denn, mögen sie einen auch mehr fordern, einem mehr zumuten, gar Spuren hinterlassen, sie erzählen vom höchsten Gut, das wir neben der Freiheit zu verteidigen haben – Menschlichkeit.
[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.