Originaltitel: THE COWBOY

D/USA 2025, 89 min
Verleih: Salzgeber

Genre: Dokumentation, Biographie

Regie: André Hörmann

Kinostart: 14.05.26

The Cowboy

Der Traum ist aus

Elf Jahre jung ist Crowley McCuistion und weiß schon genau, was er mal sein wird. Und er weiß es, weil er es im Grunde jetzt schon ist: ein Cowboy nämlich. Nur, daß im Falle Crowleys dieses Cowboy-Dasein kein Weltfluchttraum eines Wohlstandskindes ist, sondern schlichtweg naheliegende Realität. Eine, wie sich zeigen wird, ziemlich harte. Desillusionierend selbst für Menschen, die nicht groß dazu neigen, sich irgendwelchen Illusionen hinzugeben.

THE COWBOY ist eine Langzeitbeobachtung: Über zehn Jahre hinweg besuchte der Dokumentarfilmer André Hörmann Crowley und seine Familie. Die lebt auf einer eher armseligen Ranch im tiefsten Colorado. Harte Arbeit, Vieh- und Pferdezucht samt einer steten Folge von Rodeos sind die eine Seite dieses Lebens. Die andere verfügt sich aus Traditionsbewußtsein, christlichem Glauben, stoischem Stolz und einer Neigung zu Alkoholismus und Gewaltausbrüchen. THE COWBOY ist eine prägnante Milieu- und Mentalitätsstudie. Doch auch wenn in dieser Crowley im Zentrum steht, sind es vor allem seine Mutter und Schwester, die in der sozial wie seelisch zunehmend poröser werdenden Welt männlichen Selbstverständnisses ein markantes Gegengewicht manifestieren. Und das umso mehr, als die Familie von einem Todesfall bis in die Grundfesten erschüttert wird.

Es ist ein Schicksalsschlag, der diesen Film dann auch über den Status einer bloßen Dokumentation hinaushebt. Hin zur Zeugenschaft einer Tragödie und ihrer lebenslangen Nachwirkungen. Und tief hinein in eine Lebenswirklichkeit, in der sich, aller Illusionen und Träume auf das Härteste beraubt, Crowley und die anderen McCuistions zu behaupten versuchen.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.