Originaltitel: AIMONS-NOUS VIVANTS
F 2025, 91 min
Verleih: Weltkino
Genre: Tragikomödie
Darsteller: Gerard Darmon, Valérie Lemercier, Patrick Timsit
Regie: Jean-Pierre Améris,
Kinostart: 28.05.26
Mit Verlaub – Valérie Lemercier als Schauspielerin zu mögen, ist nicht immer so einfach. Meist arg drüber, zu laut, oft zwischen Hampeln und Poltern und mit knapp 1,80 Meter Körpergröße, wofür sie nun wirklich nichts kann, häufig aus dem Bildrand ragend. Und Kennern steckt ihre One-Woman-Show ALINE noch schwer in den Kochen ... Aber: offen bleiben! Denn wenn ein Mann fürs Innere wie Jean-Pierre Améris dreht und der Aktrice dann noch einen Würdekerl wie Gérard Darmon zur Seite stellt, kann nicht viel schiefgehen. Und es geht mit diesem ins Herz zielenden Film nichts schief.
Eben noch textsicher, charmant, maximal etwas hüftsteif, dann Angstzustände, Zusammenbruch, Schlaganfall – den Abschied von der Bühne hat sich der betagte Antoine anders vorgestellt. Ausgerechnet im L’Olympia, der Wohnstube der ganz Großen! Auf Bühnen zu stehen, kommt nicht mehr in Frage, vielmehr sitzt Antoine ein Jahr später im Zug nach Genf, dem Mekka aller Abschiedswilligen. Er hat Angst vor einem nächsten Infarkt, vor Siechtum, er will endlich seine Ruhe. Die ist ihm jedoch nicht vergönnt, er wird erkannt. Von Passanten, der Schaffnerin und schließlich von ihr – Victoire. Auch sie sehnt sich nach Freiheit, daß Victoire dafür genehmigten Freigang hätte, wäre übertrieben, aber sie hat den Plan, unerwartet auf der Hochzeit ihrer Tochter aufzutauchen. Und Antoine, der nicht mehr leben, geschweige denn singen will, soll nach ihrem Willen beides und Letzteres auf der Vermählung der zornigen Tochter ...
Was bei anderen in Ulk enden würde, gerät bei Améris zur lebensklugen Innensicht. Victoire ist sicher in allem extrem, sie ist verlogen, übergriffig, aber in ihr pocht ein liebendes Herz. Und – man verrät auch ob des Titels sicher nicht zu viel – vielleicht ist ja in
Antoine doch mehr Lebenswille, als er selbst zu erkennen in der Lage ist. Ein melancholisches Roadmovie, ein tragikomisches Boulevardstück, ein erfrischender Appell für zweite und vermutlich letzte Chancen – all das ist TICKET INS LEBEN. Ein einnehmender Film, der von der Hoffnung auf unverbrüchliche familiäre Bande erzählt, von Lebensmüdigkeit ebenso, und er hält mindestens ein den Film überdauerndes Bonmot parat, wonach Antoine jedem die Chance gönnt, an der eigenen Beerdigung aktiv teilzunehmen. Und wenn Victoire ergo Valérie dem Motto einer verbotenen Tat pro Tag folgt, dann mag man den Überfall eines Juweliers aus guten Gründen gern durchwinken und Lemercier doch noch ein Plätzchen im Herzen einräumen.
[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.