Editorial 06+07/26

[ 04.06.2026 ] Manchmal frage ich mich: Warum eigentlich ausgerechnet Film? Es hätten doch auch Literatur, Malerei, Photographie oder Musik sein können. Nicht, daß ich vorgenannten Künsten nicht zugetan wäre, ganz im Gegenteil, aber mein Herz schlägt am heftigsten für Film. Und den am besten im Kino. Vielleicht, weil Film die beste Kunstform ist, um Elemente aus anderen Künsten aufzugreifen, zu verknüpfen, zu verschmelzen, um aus Ton, Text, Spiel, Rhythmus, Bild und Licht schließlich etwas ganz Eigenes entstehen zu lassen. Film ist für mich auch die unmittelbarste aller Künste, auch im Sinne einer Rezeption, der man sich kaum entziehen kann. Ein guter Film erlaubt keinen schnellen Blick, kein Zur-Seite-Legen, kein Vorspulen. Man verschwindet tatsächlich in einer anderen Welt. Das bleibt für mich in anderen Künsten unerreicht.

Ein Gemälde beispielsweise kann durchaus derart Wirkung haben, daß man erkennt, interpretiert, auslegt, einordnet und sich im Nachgang immer mal wieder erinnert, ein Film indes geht für mich viel weiter. Er kann geradezu seelische und physische Effekte haben, weil er viel stärker in der Lage ist, in die Tiefe zu gehen, Emotionen intensiver auszuloten, ein Film kann lebenslang bedeuten, wenn ihm eine solche überwältigende Wucht oder stille Verführung eigen sind, daß diese einen tatsächlich nie wieder losläßt. Für mich persönlich können ausgewählte Filme von Pedro Almodóvar, Lars von Trier, Krzysztof Kieslowski, Xavier Dolan, Michael Haneke oder Luis Buñuel genau dies.

Doch auch in diesem frühen Sommer wird es Filme geben, die einem nach der Sichtung nicht mehr von der Seite weichen, weil sie genau sind, elegant erzählt außerdem, weil sie Empathie auslösen oder auch Erschrecken. Eine Entdeckung beispielsweise wie THE PIANO TUNER gehört dazu, eine mentale Bestandsaufnahme wie ETWAS GANZ BESONDERES ebenso und ein auf Grundlegendes unserer Beschaffenheit zielender Film wie GOOD BOY außerdem. Ein Blick allein auf diese Filme und das Eintauchen in die wunderbaren Kritiken meiner geschätzten Autoren macht die obige Eingangsfrage im Handumdrehen obsolet ...

Erinnerungswürdige Kinoerlebnisse wünscht

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.