D/Österreich 2026, 94 min
FSK 12
Verleih: Piffl
Genre: Historie, Drama
Darsteller: Sandra Hüller, Caro Braun, Godehard Giese
Regie: Markus Schleinzer
Kinostart: 30.04.26
Sandra Hüller erscheint als Trickser und Wandler zwischen den Welten. In einem ihrer ersten Auftritte verschwindet sie zwischen Maskenfiguren, als sei sie Teil dieser mythischen Wesen und Kostümierten, die eine Schneise im Alltäglichen eröffnen. Ihre subversive Kraft wird sich schnell offenbaren. Am Anfang von ROSE dünstet der Boden regelrecht den Tod aus. Der Dreißigjährige Krieg hat das Land verwüstet. Skelette liegen da, und Hüllers Charakter ergreift kriegsmüde und vernarbt die Gunst der Stunde. Rose will endlich ein eigenes Stück Land abseits der Schlachtfelder. Die Veteranin sucht ein seßhaftes, selbstbestimmtes Leben, wofür sie die Soldatenrolle allerdings weiterspielen muß. Als Frau hat sie in der dörflichen Welt des 17. Jahrhunderts nichts zu sagen, also gibt sie sich als Mannsbild aus. Ein Tabubruch für die Gesellschaft und Sittenwächter!
Hüller, die auf der Berlinale als „Beste Darstellerin“ ausgezeichnet wurde, trägt damit den ganzen Schwarz-Weiß-Film mit ihrem Spiel im Spiel, das die Performanz und Gesten der patriarchalen Geschlechterordnung zur Anschauung bringt und zugleich an deren ideologischen Grundfesten rüttelt. ROSE erzählt eine historische Travestie, die allein schon deshalb mitreißt, weil sie immer neue Wendungen nimmt und auslotet, wie weit die Hauptfigur gehen kann, ehe ihr Schwindel auffliegt. Der Österreicher Markus Schleinzer hat einen brutalen Film inszeniert, wenn er zeigt, wie ein System gegen Abweichungen und Irritationen vorgeht, sobald es mit seinen blinden Flecken konfrontiert wird. Sein schwarzer Humor provoziert derweil auch ein Lachen über die Erbarmungslosigkeit der Engstirnigen und die Banalität, die das Grausame annimmt.
ROSE nutzt die Andersartigkeit und Distanz seiner vergangenen Epoche, um etwas Überzeitliches über Machtstrukturen zu erzählen. Sowohl die Konstruktion als auch die Dekonstruktion sozialer Geschlechterrollen und Stereotype werden in ihrer Willkür freigelegt. Sie existieren und handeln so, „weil es geht“, wie es im Film heißt. Hüllers Soldat erschüttert hier die Kategorien von männlich und weiblich jenseits der reinen Biologie. Ihre faszinierende Figur setzt damit dem vermeintlich Göttlichen und Natürlichen etwas Radikales, Einschüchterndes entgegen: die menschliche Freiheit zum Selbstentwurf.
[ Janick Nolting ]
Kinobar Prager Frühling: 19:45
Passage Kinos: 15:30, 18:45
Schauburg: 18:00, 20:00
Kinobar Prager Frühling: Inklusive Videomitschnitts der Podiumsdiskussion von der Leipzig-Premiere am 27.04.2026! 18:00
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