Originaltitel: LE MAGE DU KREMLIN

F/GB/USA 2025, 156 min
Verleih: Constantin

Genre: Thriller, Polit

Darsteller: Paul Dano, Jude Law, Alicia Vikander, Will Keen

Regie: Olivier Assayas

Kinostart: 09.04.26

Der Magier im Kreml

Die Macht der Suggestion

Im letzten Jahr gab Wladislaw Surkow, von 2013 bis 2020 Chefberater Wladimir Putins, der französischen Wochenzeitung „L´Express“ ein Interview. Darin ließ er unter anderem wissen, daß Politik „in erster Linie ein Bereich der Emotionen, der Leidenschaften und erst in zweiter Linie des Handwerks“ sei. „In der Politik“, so Surkow, „geht es stets um die Machtfrage, die der älteste, dunkelste und irrationalste Aspekt der menschlichen Natur ist. Politisches Handwerkszeug hilft dabei, auf den Wellen zu reiten, aber es erschafft sie nicht."

Ganz im Gegensatz zu einem wie Surkow. Was ob des derzeitigen politischen Systems in Rußland gemeinhin „Putinismus“ genannt wird, hat Surkow maßgeblich zu verantworten. Als Spindoktor und Mastermind, als rigoros machiavellistisch agierendes Medien- und Manipulationsgenie erschuf er, gleichsam wie ein Magier im Hintergrund, wie ein Prospero auf seiner Insel, den künstlichen Sturm einer sinnstiftenden Demagogie: die hohen Wellen des Putinismus, auf denen man zur Macht surfen konnte. Hauptregel dabei: „Alles, was einen stärker aussehen läßt, macht einen tatsächlich stärker.“ So bringt Surkow das einmal in DER MAGIER IM KREML auf den Punkt. Daß Surkow hier Baranow heißt und der Satz wohl eine Drehbucherfindung ist, ändert nichts an seinem Wahrheitsgehalt. Passend also, daß durch die Handlung dieses Films, der, wie an dessen Anfang zu lesen ist, ein Werk der Fiktion zeigt, gleichwohl Typen wie Wladimir Putin, Boris Beresowski oder Jewgeni Prigoschin geistern.

2010 drehte der französische Regisseur Olivier Assayas mit CARLOS – DER SCHAKAL ein so episches wie versiertes semifiktionales Glanzstück des Politthrillers. Auf Assayas’ DER MAGIER IM KREML durfte man somit aus gutem Grund gespannt sein. Die Adaption des gleichnamigen Romans von Giuliano da Empoli erzählt von Wadim Baranow, der im Chaos der postsowjetischen Ära eigentlich Filmemacher werden will, aber seine Berufung bald anderswo findet. In der Politik, im Spiel der Macht, welches, wie das Kino, ja immer auch ein Spiel der Suggestion, des Vorgaukelns, Stilisierens ist.

Wovon DER MAGIER IM KREML dann dergestalt erzählt, daß man ihm das Vorgaukeln und Stilisieren, das Kino-sein (Staraufgebot inklusive) jederzeit ansieht. So spannend und flüssig das ist – für sein Sujet surft der Film eine Spur zu kommensurabel dahin. Das Dunkle und Irrationale der menschlichen Natur leuchtet Assayas mit einer erzählerischen Glätte aus (oder weg), ob derer sein neues Werk prompt etwas stärker aussieht, als es ist.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.