Originaltitel: LA FEMME LA PLUS RICHE DU MONDE

F/Belgien 2025, 121 min
Verleih: Neue Visionen

Genre: Tragikomödie, Satire

Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Marina Foïs, Raphaël Personnaz, André Marcon

Regie: Thierry Klifa

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Die reichste Frau der Welt

… ist ziemlich arm dran

Isabelle Huppert (oder wie man sie zu sehen glaubt) in drei Worten beschreiben? Anmaßende Divenlästerung zwar, aber möglich: kühl, mondän, charaktermassiv. Beste Voraussetzungen, die titelgebende Milliardärin namens Marianne getreu zu verkörpern, hinter der Liliane Bettencourt steckt. Ihre zur nationalen Affäre ausgewachsenen Verstrickungen nennt Regisseur Thierry Klifa „eine komplexe, zutiefst menschliche Geschichte“ und versucht nun deren Erzählung. Was zwar nicht ganz glückt, aber Huppert, sonst Waffenmeisterin des vernichtenden Blicks, erstaunlich weiche Züge schenkt.

Da wäre zunächst Irritation, als völlig Unbekanntes an Mariannes Ohren dringt, Kritik nämlich. Geäußert vom Fotografen, welcher sie fürs Lifestylemagazin „Selfish“ (!) ablichten soll, aber direkt das unschöne Outfit bemängelt. Verblüffung weicht Stoffwechsel weicht spontaner Hingabe, so spricht eben sonst niemand mit Marianne, derart herausgefordert lebendig fühlt sie sich zwischen Meetings und gefühlsmüder Ehe nie! Später dann überreicht Huppert der statuesk-festgetackerten Figur ein kostbares emotionales Präsent zurück, verleiht ihr geradezu mädchenhaftes Leuchten, verjüngtes Strahlen. Derweil sich besagter Bildermacher in Mariannes Leben schleicht, regelrecht einnistet, was Tochter Frédérique durchschaut und Gegenmaßnahmen einleitet.

Von eingangs beschworener Komplexität und Humanität ist da allerdings wenig zu bemerken, es gilt vielmehr, durchweg recht unsympathischen Menschen beim gegenseitigen Zerlegen zuzuschauen, was sich eher herausfordernd gestaltet. Denn ohne Hupperts grandiose Darstellungskunst bliebe wohl lediglich eine freudlose, alltagsrassistische Unternehmerinnenhülle übrig, zeigte Laurent Lafitte nicht ein mimisches Meisterstück an zupackender Großmäuligkeit und die krustigen Machtstrukturen gnadenlos unterwanderndem Selbstbewußtsein, käme vermutlich bloß ein schleimiger Schnittbogenschurke raus. Um dieses gleißende Zweiergestirn kreist der Ensemble-Rest, von ihm tropft das letztlich doch arg konventionelle Drehbuch ab, dessen generell mögliche Qualität zu selten ahnbar durchblitzt – etwa, wenn Marianne korrigierenden Wert darauf legt, statt „reich“ besser „begütert“ zu sein …

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...