Editorial 05/26

[ 30.04.2026 ] Mir geht Crowley McCuistion nicht mehr aus dem Sinn. Ein in seiner Bescheidenheit, seiner Erdung, seiner Zielstrebigkeit bewundernswerter Junge. Mit gerade mal 11 Jahren geht er seiner Leidenschaft nach, nichts anderes im Leben sein zu wollen als ein Cowboy. Mit Geschick und Ehrgeiz reitet er Rodeos, kümmert sich ums Vieh der Familie, repariert Autos, die er auch schon selber fährt, schimpft auf die Schule, weil er sein Gehirn lieber zu 100 Prozent für die Ranch einsetzen will. Crowley ist auch mit 16, 17 keiner dieser zeitgeistigen Jungen, die zu gern von „Projekten“ schwärmen, ohne auch nur ein einziges gebacken zu bekommen. Er kennt seine Wurzeln, greift nicht nach den Sternen, will niemandem auf der Tasche liegen, konkludiert in einer bestechenden Klarheit: „Wir sind nicht reich, aber wir sind auch nicht pleite!“ Er weiß tatsächlich, wo er hingehört, diese Verwurzelung in der amerikanischen Provinz, die auf den an sich schönen Namen Heartland hört, der aktuell aber von besserwisserischen Europäern gern mit einem abschätzenden Unterton prononciert wird, weil eben dort die Trump-Wähler leben.

Crowley scheint angstfrei, der blaue Himmel von Colorado ist ihm Versprechen genug, Wie sonst kann ein so junger Mensch pathosfrei sagen: „Brennt unser Haus ab, schlafe ich halt im Zelt!“ Daß er später an einen Ort namens Happy in Texas zieht, scheint verdient. Wie Crowley mit schweren Verlusten umgeht, sich vom gewalttätigen Vater emanzipiert, dazu sein liebevoller Umgang mit der älteren Schwester und wie er sein noch kurzes und doch schon so reiches Leben reflektiert, ohne Heulsusen-Plattitüden über Work-Life-Balance, wenn mal irgendwas nicht gleich klappt – dieser Junge schlich sich mir direkt ins Herz und blieb darin.

Genau dort gesellt er sich zu einem Kerl, an den ich auch immer wieder denken muß. Es gibt durchaus Parallelen im Leben von Crowley und einem gewissen John Davidson – zumindest, was Durchsetzungsvermögen und die Sehnsucht nach einem vielleicht nicht so einfachen, aber selbstbestimmten und darin guten Leben anbelangt. Beim Teenager John steht lange der Fußball im Fokus, dann grätschen ihm heftige Tics und Flüche in die Beine. Es geht fortan auch bei ihm ums Klarkommen, seinen Platz zu finden und dabei auf Akzeptanz zu setzen. Große Ansprüche ans Leben sind da eher Fehlanzeige, es geht um Kerntugenden, um Ehrlichkeit, Freiheit und ums Zurückgeben. Das hat mich total eingenommen. Und beide, Crowley und John, stehen dem Leben demütig gegenüber, ohne naiv zu sein, sie sind dankbar, ohne Bittsteller zu werden, sie ziehen einfach ihr Ding durch! Ich mag sie echt beide, vermutlich für immer.

Solche Geschichten, wie sie THE COWBOY und VERFLUCHT NORMAL bieten, schreibt allein das pralle Leben und sind doch nur an einem Ort derart überwältigend zu erzählen – im Kino. Wir treffen uns hoffentlich genau da, wünscht sich

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.