Originaltitel: NUREMBERG

USA 2025, 149 min
FSK 12
Verleih: Weltkino

Genre: Drama, Historie, Polit

Darsteller: Russell Crowe, Rami Malek, Michael Shannon, Leo Woodall, Colin Hanks

Regie: James Vanderbilt

Kinostart: 07.05.26

Nürnberg

Trotz Schauwert-Lichts wenig erhellend

Wenn es Nazis nicht gegeben hätte und ja, nicht immer noch geben würde – wäre Hollywood in der Lage, sie zu erfinden? Also eine jede Phantasie blaß wirken lassende Gruseltruppe, bei der sich ein Totalmangel an moralischen Skrupeln kongruent zu einer frappierenden weltanschaulichen Blödheit verhält und die aberwitzige Grausamkeit eines maßlosen Vernichtungswillens ihr groteskes Ergänzungsstück in einem mal dröge volkstümelnden, mal operettenhaft aufgeblasenen Weltanschauungskitsch samt albernem Führer-Fetischismus findet? Passend alberne Uniformen inklusive. Wie auch Hermann Göring bestens vorführte. Als „Reichsmarschall“ der zweite Mann im NS-Staat und vom Volksmund insgeheim „Reichsjägermeister“ oder „Lametta-Heini“ genannt, schwamm Göring als besonders markantes Fettauge oben auf der Nazi-Suppe. Im Mai 1945 wurde der Mann von US-Soldaten gefangengenommen und im Folgejahr im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Kurz vor seiner Hinrichtung nahm Göring sich mit einer Zyankalikapsel das Leben.

Es ist dieser Zeitraum zwischen Görings Verhaftung und Selbstmord, den jetzt NÜRNBERG Revue passieren läßt. Wobei „Revue“ ganz passend ist, für das, was Regisseur und Drehbuchautor James Vanderbilt aus dem Sujet gemacht hat. NÜRNBERG basiert auf dem Bestseller „Der Nazi und der Psychiater“ von Jack El Hai, einem Buch, das seinerseits auf Aufzeichnungen Douglas M. Kellys fußt. Kelly war der Psychiater, der im Rahmen des Nürnberger Prozesses psychologische Gutachten der Angeklagten zu erstellen hatte. Speziell zu Göring entwickelte er dabei eine Beziehung, die unter rein professionellen Gesichtspunkten nicht immer so ganz klare Grenzlinien zu ziehen in der Lage war.

Warum dem so gewesen ist, zeigt NÜRNBERG wiederum ganz und gar seiner Hollywood-Natur gemäß. Nun gibt es dagegen prinzipiell ja erst mal nichts zu sagen, allein schon, weil Kino-Routinier Vanderbilt weiß, wie man das Ganze effizient ins richtige Schauwert-Licht setzt. Das sieht fraglos gut aus – erhellt aber leider nur wenig. Und nachtschwarze Seelenecken schon gar nicht. NÜRNBERG ist eine Ausstattungsoperette, die fotogene und staraffine Hollywood-Erfindung zur häßlichen Wirklichkeit. Strapaziert wird hier nichts. Weder emotional, noch intellektuell. Genau das aber ist dann auch die Crux des Films.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.