Originaltitel: A SECOND LIFE

F 2025, 77 min
Verleih: Port au Prince

Genre: Drama, Poesie

Darsteller: Agathe Rousselle, Alex Lawther

Regie: Laurent Slama

Kinostart: 11.06.26

Sounds Of Paris

Hörbar Frust

Elisabeth zerdrückt die Tabletten, schüttet das Pulver ins Glas, füllt es mit Wasser auf, nur trinken wird sie diese Mischung nicht. Aus dem Off hatte die junge Frau – und es ist keine Geringere als die so vehement herbe Agathe Rousselle aus TITANE – gerade von Rausch, Last, Leere, Schönheit und Erinnerung erzählt. Von einer verlorenen Liebe. Von ihrem kaputten Gehör. Von Frust. SOUNDS OF PARIS ist da noch keine fünf Minuten alt, er wird es auf 77 bringen. Effizienter kann man nicht erzählen.

Elisabeth ist keine Pariserin, sie kam aus den USA hierher und steht kurz vor Verlängerung des Visums. Wenn sie ihren Job behält. Wenn sie es durchsteht. Es ist der erste Tag der Olympischen Spiele, die Welt trifft sich in Frankreichs jetzt noch quirligerer Hauptstadt, Elisabeth arbeitet als eine Art fliegende Concierge, hat für eine Agentur Gäste in ihre viel zu teuer gebuchten Wohnungen zu bringen, ihnen Präsentkörbe zu plazieren, trotz wilder Hatz nett zu sein und auf fünf Sterne im Rating zu hoffen. Und das, wo ihr das Lächeln so schwer fällt. Und das, wo sie die Klänge der Stadt mit Hörgeräten im Ohr verstärken muß, um nicht im dumpfen Wabern zu versinken. Eine Frau, knapp vor dem Kollaps.

Es wird die Begegnung mit Elijah sein, formal nur ein Kunde, die in ihr Ungeahntes freisetzen kann. Für heute auf jeden Fall, vielleicht für länger. Durch ihn und zwei andere Unverhoffte bekommt Elisabeths Tag einige seltsame Drehmomente und ihre Augen entdecken, wo die Ohren versagen. Längst hat die Tonspur eines Films an Bedeutung gewonnen, hier aber öffnet sie eine eigene Welt. Im Reigen neuer Filme mit Paris im Titel ist Laurent Slamas Werk sehr sicher der überraschendste.

[ Andreas Körner ]