Originaltitel: RONDALLAS

Spanien 2025, 112 min
Verleih: Alamode

Genre: Tragikomödie, Musik

Darsteller: Xavier Gutiérrez, María Váscuez

Regie: Daniel Sánchez Arévalo

Kinostart: 16.07.26

So klingt das Leben

Hotplay mit Coldplay

Wenn man in großer gemeinschaftlicher Formation „Thunderstruck“ von AC/DC mit Dudelsäcken, Kastagnetten, Tamburins, Pauken und Muscheln spielen, dazu schwere Fahnen schwenken und durch enge Gassen ziehen kann, dann geht es erst recht mit Coldplays Hymne „Viva la Vida.“ Denn so klingt eben das Leben an der spanischen Küste, wo Jung und Alt die kulturelle Laientradition dieser festlichen Rondallas am Leben halten. Wie in A Guarda. Zuletzt hatten die Bewohner des galizischen Küstenortes keine Muße für lustige Proben und glänzende Auftritte. Vor zwei Jahren sank ein Fischerboot, das Wrack wurde noch nicht gefunden, nur zwei der Männer überlebten.

Luis und Yayo also. Sie fahren mit dem Kutter raus, um ihrer toten Kollegen zu gedenken. Während sich Yayo eher mit gespritztem Alkohol die Seele wäscht, zeigt sich Luis stabiler. Nicht nur, daß er sich der Witwe des Kapitäns, der sein bester Freund war, angenähert hat und um die Akzeptanz von Carmens Töchtern ringt, er will auch ganz A Guarda wieder erwecken, um ein Ensemble mit Zuversicht und neuer Kraft für anstehende Rondallas zu formieren. Es gelingt, dirigieren aber wird er nicht. Es geschehen Dinge.

Daniel Sánchez Arévalo nennt einige der so erfolgreichen britischen Tragikomödien als Orientierung, und sein Film hat tatsächlich viel davon auf der Zutatenliste: einen Mehrgenerationen-Überbau, zerstrittene Brüder, Freundschaft, situationskomische Momente, schmerzliche Wendungen, Zuversicht, Gefühl(-igkeit) und Wärme, lustvolles Spiel. Und dann eben die fulminante Kraft dieser Rondallas, die, verglichen mit einem deutschdörflichen Spielmannszug, noch jeden Blutdruck zum Steigen bringen. Sogar „nur“ vor der Leinwand.

[ Andreas Körner ]