Originaltitel: KOTA
Ungarn/D/Griechenland 2025, 97 min
FSK 12
Verleih: Neue Visionen
Genre: Tragikomödie, Satire, Natur
Darsteller: Yannis Kokiasmenos, Maria Diakopanayotou, Argyris Pandazaras, Machmout Bamerni
Regie: György Pálfi
Kinostart: 06.08.26
Man sollte György Pálfi im Auge behalten; eines seiner Werke zu verpassen, wäre reichlich schade, etwa um die Mörderinnen von nebenan in HUKKLE – DAS DORF. Oder die nicht immer appetitlich, aber umso sehenswerter aus TAXIDERMIA wuchernden Körperwelten, den vollständig aus Schnipseln anderer Filme montierten FINAL CUT: LADIES AND GENTLEMEN, die Absurditäten des alltäglichen (Zusammen-)Seins, welche FREE FALL praktisch stapelt. Von allem irgendwie etwas vereint nun dieses bloß scheinbar animalische Abenteuer.
Wobei der deutsche Titel seine Lesbarkeit nach mehreren Seiten offenläßt: Tatsächlich sieht, 1:1 genommen, ein Huhn Leben zu, ganz konkret menschlichem. Ist straff drin involviert, regelmäßig fremdbestimmte Erdulderin aufgepfropfter Erwartungen. Doch die bereits durch ihre schwarze Färbung als Außenseiterin respektive Rebellin zu erkennende Henne wehrt sich, entflieht erst der Legebatterie, danach Suppentopf und, in rasanter Verfolgungsjagd, einem hungrigen Fuchs, was jenem echt schlecht bekommt. Für Triumphgegacker bleibt indes keine Zeit, das Federvieh wird vom übereifrigen Hund in ein Lokal verschleppt. Dort haben kriminelle Machenschaften ihren Hort …
Wie gewohnt kann man Pálfi sicher einiges nachrufen, mangelnde Originalität fällt definitiv nicht darunter. Mensch oder Tier: Lediglich Begriffe, austauschbare Zuordnungen, die Trennlinien schwimmen, zusehends davon. Wo anfangs luftige Komödie erheiterte, verdunkelt sich’s unaufhaltsam, der Plot zeigt drohend Zähne, um schließlich herzhaft zuzubeißen und Wunden zu schlagen. Da kann dann ein grundsätzlich unschuldiges und kaum zum Übergriff befähigtes Wesen wie ein Huhn indirekt am Tod einiger Menschen mitwirken. Umständehalber, die Schuld liegt anderswo, gähnt aus der Erfordernis, selbst zu überleben.
Entsprechend Pálfis häufiger Motivik kriecht das Groteske ins vermeintlich Normale, gerät der Körper zum bedingt eigenständigen, Objektivierungen ausgesetzten Gefäß. Weshalb die geflügelte Lolita zunächst rüde weggesperrt wird, anschließend aber immerhin zur Favoritin des Hahns aufsteigt. Und was andererseits uns betrifft, sind wir für den beschönigungsphoben Regisseur sowieso nur Spielfiguren innerhalb festgetackerter Systeme sowie Geschichte zur unbeirrten Wiederholung verdammt. Man wollt’, man wär’ ein Huhn?
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...
Passage Kinos: Premiere | OmU | Der Regisseur stellt seinen Film vor! 18:30
Alle Angaben ohne Gewähr!