D 2026, 74 min
Verleih: REM

Genre: Drama

Darsteller: Lilith Stangenberg, Chang Wang, Mücke

Regie: Brezel Göring

Kinostart: 27.08.26

Für immer 16

Noch einmal Underground

Eigentlich müßte man diesen Film zweimal sehen. Einmal, um seiner Handlung, seinen Bildern und Dialogen zu folgen. Ein weiteres Mal, um stärker den Songtexten zu lauschen, dieser fetzigen Musik, die ihre eigenen rebellischen Geschichten über den Szenen erzählt. Brezel Göring hat seinen Film mit Liedern von Stereo Total unterlegt, einer Berliner Punk-Gruppe, die er Anfang der 90er mitgegründet hat. Von der 2021 verstorbenen Françoise Cactus, dem zweiten Gründungsmitglied, stammt derweil die literarische Vorlage von FÜR IMMER 16, ein Romanfragment, das von einer späten Wiedervereinigung phantasiert. Im Film betrifft das Charlotte, Oskar und Helena, die einst rebellische Filme drehten und nun für einen Urlaub und ein neues Projekt über eine Männermörderin aufeinandertreffen.

Lilith Stangenberg gibt dabei die wohlhabende Aufsteigerin innerhalb des Trios. Eine, die die anderen abgehängt hat. Das Spiel mit Realität und Fiktion, mit wechselnden Rollen und dem Amateurfilm im Film entwickelt sich so zu einer Frage, inwieweit sich nicht nur Klassenunterschiede und diverse Konkurrenzkämpfe zwischen den Entfremdeten, sondern auch die Warenförmigkeit des Kinos, der Massengeschmack und die Verwertbarkeit der Kunst unterwandern oder zumindest anders betrachten lassen.

Das ist Underground, Filmanarchie, die sich womöglich selbst nur als Relikt und Erinnerung aus einer anderen Zeit gräbt. FÜR IMMER 16 zeigt das als feministisches Buddy Movie, als Abhängfilm in verspielt groben, impulsiven Super-8-Aufnahmen, in denen Bild und nachgesprochener Ton immer schon auf ihre eigene Differenz und Störung verweisen. Mensch und Medium werden eins in der Versch(r)obenheit ihrer Sprache.

[ Janick Nolting ]