D 2026, 124 min
Verleih: Majestic

Genre: Drama, Sport

Darsteller: Oliver Masucci, Felix Kammerer, Leonard Kunz, Svenja Jung

Regie: Hannu Salonen

Kinostart: 17.09.26

Adams Acht

Jetzt fahr’n wir übern See

Den Namen mußte man dann doch mal recherchieren. Was freilich am eigenen, eher nur rudimentär ausgeprägten Sportinteresse wie auch Patriotismus liegt. Dürfte den Landsleuten, die mit beidem reichhaltiger gesegnet sind, der Name Karl Adam (1912-1976) doch sicherlich was sagen. Als deutscher Rudertrainer wurde der zur Legende, als er 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom die Goldmedaille holte. Natürlich gemeinsam mit seinem Deutschland-Achter, in dem sich dann prompt auch ein paar Sportskanonen in die Riemen legten, die zumindest damals aus dem traditionell sehr elitären Selbstwahrnehmungsrahmen des Rudersports herausfielen.

Womit man auch schon beim Konfliktkern von ADAMS ACHT wäre. Der Film beginnt 1947, als sich der gesundheitlich und mental lädierte Ex-Boxer und Ex-Napola-Sportlehrer Adam sein Entnazifizierungszertifikat abstempeln läßt, um, einen zeitlichen Ruderschlag später, im idyllischen Ratzeburg des Jahres 1955, einen Ruderclub unter seine Fittiche zu nehmen. Genauer: Adam will acht Jugendliche, zu denen ein sozial auffälliger Außenseiter mit Muskeln ebenso gehört wie ein intellektueller Musteridealist mit Brille, zu einem leistungsfähigen Team verfügen. Und das gegen alle Widerstände dünkelhafter Rudersportfunktionäre – und mit der ernsthaften Ambition auf auch olympisches Gold.

Regisseur Hannu Salonen ist mit ADAMS ACHT ein Film von märchenhafter Naivität gelungen. Akkurat abgezirkelte Charaktere treffen aufeinander, haben ihre Konflikte, pflegen ihre Aversionen und finden dennoch glücklich zusammen. Dank Adams paternalistischer Führungsqualitäten und eines hehren Ziels. Und weil sie alle tief im Herzen nicht nur olympisches Gold gewinnen, sondern doch auch ein neues, besseres Deutschland verkörpern wollen. Sich freirudernd aus den Schatten jener historischen Schuld, die eine nachtragende Welt den Deutschen einfach nicht verzeihen will.

Weshalb dann Herr Adam seinen Ruderjungs und dem Publikum gleich mit auch immer mal wieder diese und jene erbauliche Drehbuchlebensweisheit hinter die Ohren schreibt. Auf daß seine Schützlinge dann wieder so über den schönen Ratzeburger See gleiten können, wie dieser Film durch seine Handlung. Irgendwie unbeschwert, trotz aller Verwerfungen. Sanft über die Oberfläche hinweg. Doch, das schaut sich schon sehr gut an. Wer Tiefgang will, muß halt ins U-Boot steigen.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.