Originaltitel: THE INVITE
USA 2026, 108 min
Verleih: Tobis
Genre: Komödie
Darsteller: Olivia Wilde, Penélope Cruz, Seth Rogen, Edward Norton
Regie: Olivia Wilde
Kinostart: 30.07.26
Was ein trostloser Anfang: Da kommt Joe nach einem für ihn mal wieder öden Arbeitstag zurück zu seiner Frau Angela, die ihrerseits erst einmal wieder ziemlich angeödet ist von Joes ewigem Angeödetsein. Daß sich gegenseitige Triezen der Eheleute ist dabei spitzzüngig und von deprimierender Routine zugleich. Man kennt sich schon so lange so gut, so in- und auswendig, daß selbst das gegenseitige Verletzen etwas alltäglich Lustloses bekommen hat. Ja, diese Ehe ist tot. Könnte man meinen. Nur ist THE INVITE ja das US-Remake eines spanischen Kinokomödienschlagers, der seinerseits auf einem Theaterhit basiert. Genauer: auf einer Boulevard-Komödie. Und zwar einer, die das Genre geradezu in Quintessenz durchexerziert. Und so schnell stirbt da bekanntlich keine Liebe.
Eine Nacht, eine Wohnung, zwei Paare, viele Worte. Vornehmlich solche über Sex. Das ist es, was THE INVITE im Kern bietet. Und ja, das klingt nicht sonderlich kinoaffin. Umso frappierender, was jetzt Regisseurin Olivia Wilde aus dieser wenig filmischen Grundkonstellation für einen Film gemacht hat. Ist ihr mit THE INVITE doch eine Großstadtnacht-Konversations-Sex-Komödie erster Güte gelungen, ein dann eben auch sehr filmisch geratenes Kammerspiel darüber, was eine Beziehung sterben läßt – und eventuell wieder zum Leben erweckt.
Denn was Joe zu Beginn noch nicht weiß, ist, daß Angela das jüngst erst ins Apartmenthaus gezogene Nachbarspaar zum Kennlernessen eingeladen hat. Piña, die spanische Psychotherapeutin. Und Hawk (ja, heißt so!), den Ex-Feuerwehrmann und jetzigen Masseur. Zwei Menschen, die zumal zusammen geradezu gefährlich viel Sexappeal ausstrahlen. Daß sie zudem auch irrsinnig viel Sex haben, wissen Angela und Joe dabei schon als nachbarliche Ohrenzeugen. Was sie indes erst noch erfahren werden, ist, wie offen Piña und Hawk auch für erweiterte erotische Konstellationen sind.
THE INVITE punktet mit einem sauber gezeichneten Charakter-Quartett und den hakenschlagenden Dialogen eines darstellerisch hinreißend dargebotenen Spiels der Möglichkeiten. Zugreifen oder zurückschrecken ist dabei nur eine der Fragen, die hier im Raum flirren. Bei allem Biß wird das nie gemein, bei aller Frivolität nie schmierig. Und ganz nebenbei offenbart sich, was sowohl Komödien als auch Beziehungen am Laufen hält: das Raus aus der Routine nämlich.
[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.