Originaltitel: BAD APPLES
GB 2025, 101 min
FSK 16
Verleih: Sony
Genre: Komödie
Darsteller: Saoirse Ronan, Jacob Anderson
Regie: Jonatan Etzler
Kinostart: 10.09.26
Boah, der Typ nervt! Zehn Jahre jung ist Danny erst, aber schon immer unter Vollspannung, immer auf Angriff, immer auf Krawall gebürstet. Danny scheint die Destruktion in Person, ist ein daueraggressiver, gewaltaffiner Berserker und in alldem vollkommen resistent gegen jedwede pädagogische Einflußnahme. Gute Worte, wohlmeinende Angebote, harsche Strafen? Fickt Euch! An Danny prallt das alles schon so lange ab, daß sein soziales Umfeld sich vor ihm in die Totalresignation geflüchtet hat. Richtig sicher ist man freilich auch dort nicht. Denn der Junge dreht derweil mehr und mehr am Rad, läuft völlig frei. Fragt sich nur noch: wohin? Wo soll das enden?
Eine gute Frage. Und eine, die man sich beim Anschauen von Jonathan Etzlers BAD APPLES nach spätestens fünf Minuten schon stellt. Hier freilich geborgen in der Sicherheit des Kinosaals und in jene Art von Spannung versetzt, die sich aus einer gewissen moralischen Unruhe plus sensationslüsternem Schauer verfügt. Und darin eigentlich zwei Fragen triggert: Nämlich erst einmal ganz unmittelbar jene, wohin jetzt eben die Handlung des Films einen wohl noch führen wird. Und als Stachel, etwas tiefer sitzend: Ja, was tun mit so einem Kind? Wohin mit ihm?
Was nun die Frage nach der Handlung betrifft, muß man ob deren bald recht aberwitzigen Wendungen sehr vorsichtig sein, will man nicht zu viel verraten. Deshalb hier nur die Ausgangs-Basics: Nachdem Danny die Eskalationsgrenzen mal wieder souverän überschritt, liegt seine Mitschülerin Pauline mit gebrochenen Arm im Treppenhaus der Schule. Für die junge, idealistische und folglich arg gebeutelte Lehrerin Maria nur ein weiterer schwarzer Tag von vielen. Aber es kommt noch schwärzer. Nach einem erfolglosen Gespräch mit Dannys alleinerziehendem und ebenfalls völlig überfordertem Vater steht Maria auf abendlich einsamer Straße dem Jungen plötzlich gegenüber. Und wälzt sich keine zwei Sekunden später mit ihm am Boden. Es ist ein recht rabiater Kampf, bei dem Maria aber die Oberhand behält. Und in dessen Folge sich der kurzfristig ausgeknockte Danny im Haus seiner Lehrerin wiederfinden wird. Eingesperrt im Keller.
Über das, was sich aus dieser Grundkonstellation dann in BAD APPLES entwickelt, dürfte die Fraktion der Realismus-Puristen wahrscheinlich nur den besserwisserischen Kopf schütteln. Zu Recht. Weshalb hier auch ganz klar gewarnt sei: BAD APPLES zielt weit weniger auf ein Kino des sozialen Realismus, als vielmehr auf eine schwarzhumorige, satirische und darin gleichwohl sozial genau skizzierte Gesellschaftsparabel. Die moralischen Kernfragen („Was tun mit so einem Kind? Wohin mit ihm?“) spielen dabei ein paar Antwortmöglichkeiten durch, die geradezu gefährlich vernünftig klingen.
Denn ist es ohne Danny nicht viel leichter und schöner, das Miteinander im Klassengefüge, das angstfreie Lernen? Die Leistungen der Klasse verbessern sich, die Schulleitung strahlt, die Elternschaft ebenso. Und Danny, den bis auf die Polizei und seinen dann blöderweise doch recht verzweifelten Vater niemand wirklich sucht, im Sinne von vermißt – wird nicht auch Danny langsam zahmer und einsichtiger, gut gepflegt, gehegt und gefesselt in seinem Kellerverließ, von dem niemand was weiß? Ganz abgesehen von Maria, die endlich wieder aufblüht in ihrem Beruf, die ihr Leben wieder auf die Reihe kriegt. Das ist doch alles positiv, oder?
Das herrlich Perfide an BAD APPLES ist, wie unbekümmert der Film all diese Fragen mit einem „Ja!“ zu beantworten scheint. Und genau damit den Spieß umdreht – oder, um das Bild aufzugreifen: den moralischen Stachel tief ins Selbstverständnis einer Gesellschaft treibt, die im Zweifelsfalle dann auch mal einen Menschen wie einen schlechten Apfel aussortiert. Ihn sozusagen einkellert. Wenn auch – aber klar, keine Sorge, wer sind wir denn! – unter Beibehaltung humaner Standards. Es ist diese fiese Grundprämisse, diese fies nachvollziehbare Sicht auf uns selbst, die BAD APPLES mit wohliger Lust an der Ambivalenz und sardonischem Lachen zur aberwitzigen Konsequenz treibt. Welche das ist? Wohin das führt, wo das endet? Ins Kino gehen und selbst sehen!
[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.
Regina Palast: 21:00
Cinestar: 19:45
Regina Palast: 21:00
Regina Palast: 21:00
Regina Palast: 19:00 (OF), 21:00
Regina Palast: 21:00
Regina Palast: 21:00
Regina Palast: 21:00
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