[ 03.09.2026 ] Wer ist schon ohne Neid? Gibt es doch Filmländer wie Frankreich, denen gewiß nicht alles, aber doch erstaunlich viel glückt. Da werden in irrer Dichte wahnsinnig gute Filme gedreht. In allen Genres, im Arthouse wie im Mainstream und das meist auch noch für ein großes Publikum. Und dann gibt es Filmländer wie Deutschland, wo natürlich auch mal Großartiges entsteht, aber wohl noch zu viel Steuer- und Gebührengeld rumliegt, so daß die an sich geschätzte Filmförderung MOIN es sich leisten kann, ewig an einem Tool zu basteln, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, „Vielfalt“ zu messen.
Ja, richtig gelesen, das gute alte und derzeit arg überstrapazierte Tantchen Vielfalt! Und nein, es geht nicht um Vielfalt in den Geschichten, nicht bei den Genres, nicht beim künstlerischen Wagemut. Es geht ums Personal beim Filmdreh! Heißt: Man kann sich registrieren, Geschlecht, Alter, Herkunft und Gewerk reintippen, das mit reichlich Wortspielwitz erfundene Tool OMNI würfelt kräftig durch und kommt auf Zahlen. Die Macher klatschten sich nach knapp zwei Jahren schon mal ab, weil sich so in der Branche ein hoher Anteil an Akademikern und schwullesbischbitransundsoweiter Personen aufzeigen ließ. Aha! Aber der migrantische Anteil sei so gering! Gerade diese Naivität im Kleinen erstaunt, hat die Mär vom unaufhörlich fließenden Fachkräftestrom schon im Großen eher nicht so geklappt.
Und genau dann denkt man wieder neidvoll an Filmländer wie Frankreich, in denen man weniger analysiert und einfach mehr starke Filme gedreht werden, von zweifelsfrei guten Leuten, von Männern und Frauen, von Heimischen und Dazugekommenen – einfach so, ganz ohne hysterisch zu sieben, wer wen liebt, wo wessen Wurzeln liegen und wer es gar bis zum Abi geschafft hat ... Ganz ehrlich: Wem sollen derartige Erhebungen wie die von OMNI nützen? Außer dem guten Gewissen, dem Gefühl, wieder auf der richtigen Seite zu stehen? Denn Förderchef Helge Albers möchte zwar keine Handlungsempfehlungen geben, ans Gewissen appelliert er aber dennoch: „Es stellt sich nun die Frage für die Branche, ob und wie man etwas ändern möchte und bei wem hier die Verantwortung liegt.“
Ich denke, daß die Probleme des deutschen Films gewiß nicht an der mangelnden Vielfalt des Personals liegen, daß wir 2026 sowieso schon weiter und in allen Gewerken ganz fabelhafte Menschen unterwegs sind, und glaube partout nicht an irgendeinen künstlerischen Mehrgewinn nach schnöden Proporz-Tabellen. Mir geht es weder um Geschlecht, Herkunft, Bildung noch Sexualität, ich schätze weiterhin bei Filmemachern allein Talent, Phantasie, Durchsetzungsvermögen, Originalität und den manchmal notwendigen Wahnsinn. Gerade der aber läßt sich nicht in Statistiken tippen ...
Beglückende Filmabende wünscht
[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.