Originaltitel: COCORICO 2

F 2026, 96 min
Verleih: Weltkino

Genre: Komödie

Darsteller: Christian Clavier, Didier Bourdon, Sylvie Testud, Marianne Denicourt

Regie: Julien Hervé

Kinostart: 27.08.26

Oh la la 2

Inuff Is Not Inuff

In einem Land, das es nicht mehr gibt, wurden einst Prämien bei Planübererfüllung gezahlt. Ich hätte eine verdient in diesem Jahr – schon der dritte Christian-Clavier-Film, mit dem ich mich beschäftigen darf. Ich aber verzichte auf Geld, Geschenke, Orden und intensives Schulterklopfen, denn da im Leben das Beste oft zum Schluß kommt, bin ich mit dieser wirklich gelungenen Fortsetzung des Publikumshits aus dem Jahr 2024 bereits reich belohnt. Ich habe mich schon bei Teil 1 weggehauen – Pointe auf Pointe, Derbheit auf Derbheit und allein diese furchtlose Spielfreude aller Beteiligten, so ganz ohne Rücksicht auf die übliche Scham und reputative Verluste.

Zur Erinnerung: Der ach so stolze und vermeintliche Ur-Franzose und Wein-Erbe Frédéric Bouvier-Sauvage unterzog sich anläßlich der Verlobung seiner Tochter Alice reinen Gewissens einem Gentest und mußte schließlich mit einem gehörigen Anteil Indianerbluts in der Ahnensuppe klarkommen. In Teil 2 steht nun die Vermählung an, das Labor klingelt durch, man habe da noch etwas gefunden – einen türkischen Verwandten, die DNA stimme zu 60%, Frédéric wütet wie gehabt, da fehle ja wohl nur noch der albanische Halbbruder oder die senegalesische Großmutter. Plötzlich hat Frédéric den Muezzin im Ohr, und dann klingelt’s auch noch an der Tür, Mehmet Süleymano?lou stellt sich vor ...

Es ist das pure Vergnügen, wie einmal mehr auf politische Korrektheit gepfiffen wird, die Gagdichte ist noch imposanter als im ersten Teil, in der sich vergrößernden Familie, in der ja bekanntermaßen gar königliches Blut fließt, wird noch immer ein haarsträubendes Englisch gesprochen, dafür sitzt das Hütchen. Clavier schimpft wie ein Rohrspatz, er stampft, er stichelt, er plustert, kriegt Puls und geweitete Augen, Louis de Funès winkt feixend aus dem Komikerhimmel. Gottlob erlag Regisseur Julien Hervé nicht der Idee, alles neu zu erfinden, die Geschichte ist aus sich heraus bester Komödienstoff, da war es nur folgerichtig, dem Affen einfach noch ein bißchen mehr Zucker zu geben, und schon deswegen hat Gérard Martin, Alices Schwiegerpapa in spe, neben einem gehörigen Anteil deutschen Blutes nun auch noch algerische Wurzeln.

Und wenn dann zur Hochzeit neben einem gepflegten Grand Cru der Raki die Runde macht und die unerwartet aufschlagende Cousine Djamila zum Bauchtanz lädt, gibt es kein Halten mehr. Also: Ich bin total bereit für einen weiteren Clavier, für OH LA LA 3 allemal – aber vielleicht im nächsten Jahr.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.