Originaltitel: POUR LE PLAISIR
F 2025, 90 min
Verleih: Neue Visionen
Genre: Komödie
Darsteller: Alexandra Lamy, François Cluzet
Regie: Reem Kherici
Kinostart: 23.07.26
Mut. Der schwebt über allem bei diesem wunderbaren, komischen, leichten und dennoch tiefgründigen Film. Denn man muß sich erst einmal trauen, über Orgasmusschwierigkeiten, ach was, über die komplette Absenz von wenigstens einem kleinen, erbarmungsvollen Orgasmus in gut 20 Ehejahren zu erzählen. Regisseurin Reem Kherici hat sich getraut. Und man muß sich erst einmal trauen, sich das Problem, das wohl bei 30% aller Frauen auftaucht, einzugestehen. Fanny traut sich. Und nun bleibt zu hoffen, daß auch das deutsche Publikum das Quentchen Mut aufbringt, sich diese herrlich zwischen albern und kämpferisch, lebens- und lustbejahend und darin durchaus berührend mäandernde Komödie im Kino anzuschauen, denn – um im Bild zu bleiben – so ein wenig lassen wir alle bei diesem delikaten Thema die Hose runter. Daß Fanny trotz recht glücklicher Ehe seit eben zwei Dekaden keine sexuelle Beglückung findet, liegt ja wohl kaum an ihr allein, auch Ehemann Thomas sei geprüft. Der ist ein Grantler, dem gewohnten Trott zugetaner Mensch, und er ist ein genialer Tüftler. Letzteres wird der Beziehung noch reichlich Aufschwung geben ...
Es ist zum Niederknien komisch, wenn Fanny sich nach dem Scharfmachen bei ihrer Sextherapeutin für das gar nicht so leichte, klärende Gespräch mit Thomas vorbereitet. Sie intoniert im leeren Raum mit geradem Rücken vom „Mauern einreißen“, vom „Brücken bauen“ vor sich hin, gegenüber Thomas wird dann aber doch nur Unverständliches rausgestottert. Der versteht mal wieder nicht, doch Fanny bleibt dran. Zum Glück. Für sie und natürlich für uns als Publikum, denn diese tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruhende und bisweilen herrlich durchbrennende Geschichte wird somit zur vielleicht schönsten Komödie des Sommers. Dazu gehört auch die Reaktion des nach „20 Jahren Simulation“ enttäuschten Ehemanns, der schon bald im Alpha-Sprech gegenüber Fanny losdonnert, daß „der Motor geölt werden muß“ und daß er seine Frau „auf der Startbahn zerlegen“ will. Ingenieur eben! Schmerzhafte Verletzungen am Glory Hole bleiben bei derlei Aktivismus nicht aus ...
Alexandra Lamy und François Cluzet sind Vollblutkomiker, ihnen glückt Humor von derb bis pointiert, man glaubt ihnen aber auch Scham, Schuldgefühle, Verlustangst und das Hinterfragen von Gewohnheiten. Die glückselige Fahrt auf Kopfsteinpflaster sowieso ...
[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.