Originaltitel: COMPOSTELLE
F 2026, 114 min
Verleih: Plaion
Genre: Tragikomödie
Darsteller: Alexandra Lamy, Julien Le Berre, Mélanie Doutey, Eric Métayer
Regie: Yann Samuell
Kinostart: 02.07.26
Da! Einmal nicht zusammengerissen: Lehrerin Fred verrutschten Nervenkostüm und Hand, eine Ohrfeige landete im Gesicht einer Schutzbefohlenen und Fred anschließend auf der Straße, obwohl unter der Schülerschaft darob teilweise Trauerstimmung herrscht. Auch Adam läßt seinen Gefühlen aggressiv freien Lauf, viel regelmäßiger indes, der 17jährige ist praktisch Stammgast beim Jugendgericht, erhält eine diesmal wirklich letzte Chance, soll zwecks Resozialisierung den Jakobsweg beschreiten. 2000 Kilometer für Seelenfrieden und bewahrte Werte. Wer ihn trotz allerhand nachgerufener Bedenken begleiten und führen wird? Also bitte, welche sich sofort selbst beantwortende Frage!
Kein ungeschickter Kniff, die Verengung zweier Welten auf der Bildebene zu spiegeln, das Format einzudampfen, den verbliebenen Raum durch Split Screens weiter zu beschneiden, bis den Augen kaum Luft zum Schauen bleibt. Um den Ausschnitt dann pünktlich am Beginn der Reise kinogerecht zu öffnen, visuell durchzuatmen – die spektakulär schönen Aufnahmen danken und entlohnen es. Adam hingegen verharrt zunächst im privaten Käfig, gebaut vom unbekannten Vater, den Schlüssel hat die nie als solche aufgetretene Mutter längst weggeworfen. Und doch ersehnt der Junge nur ihre Liebe, woran keine Enttäuschung was ändern kann. Aber eventuell Fred?
Klar, fürwahr keine Überraschung, wie immer stellt der Weg das Ziel, während das bloß auf den sehr uninteressiert flüchtigen Blick ungleiche Paar vor einem weißen Wuschelhund flieht, blutige Blasen davonträgt oder überflüssigen Ballast nicht allein in Kleidungsform abwirft. Vielleicht manchmal leicht gezogen, dennoch stets einladend und voller Szenen, deren innere humane Spannung starke Darsteller umsetzen. Daß Alexandra Lamy Emotionen transportieren kann, weiß man; sie fügt dem neuerlichen Beweis unangestrengt Timing für punktuell trocken aufstiebende Humorspitzen hinzu, Julien Le Berre agiert in seiner ersten Hauptrolle auf Augenhöhe.
Auf dem (Rück-)Weg zum eigenen Ich zoffen und versöhnen sich die beiden, laufen und verharren, lernen und heilen. Lauschen einem von Mönchen intonierten „Ave Maria“ und treffen die in mehrerlei Hinsicht außergewöhnliche Estella, deren echten Namen niemand erfährt. Bis final alltägliche Magie wirkt: Endpunkt erreicht, irgendwie traurig gewesen …
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...