Originaltitel: LOL 2.0
F/Belgien 2026, 105 min
Verleih: Wild Bunch
Genre: Komödie
Darsteller: Sophie Marceau, Thaïs Allessandrin, Vincent Elbaz, Victor Belmondo, Sylvie Testud
Regie: Lisa Azuelos
Kinostart: 18.06.26
Kurz durchatmen: Werden wir jetzt wirklich alt? Daß LA BOUM 46 Jahre her ist – geschenkt. DDR-Sozialisierte haben den hinreißenden Film um das Erwachen des Teenagers Sophie „Vic“ Marceau ohnehin devisenbedingt erst sechs Jahre später sehen können, da fühlt man sich im Rückblick gleich jünger. Aber, daß LOL, dieser großartige Wiedergänger des einstigen Kultfilms, auch schon wieder 17 Jahre auf dem Buckel hat ... puh! Doch am Ende ist es wurscht. Denn erstens haben damals LA BOUM und später dann LOL vor allem mindestens im Herzen Junggebliebene geliebt, und zweitens scheint die Zeit immerhin Sophie Marceau nichts anhaben zu können. Ist doch auch irgendwie tröstlich.
Die Fortsetzung LOL 2.0 ist es außerdem, denn sie ist in der Tat eine würdevolle Weitererzählung. Und wie der Erstling aus 2009 so komisch, so anrührend, so genau im Ton. Dabei wird dieses Mal nicht von verwirrender Jugend erzählt, sondern eher von deren Ausweitung, denn Lolas kleine Schwester Louise, die jetzt auch schon Anfang 20 ist, zieht wieder bei ihrer Mutter Anne ein. Deren Begeisterung hält sich in Grenzen, Streß ist vorprogrammiert. Aber spätestens, wenn Maman wie einst bei Lola „Kuscheln?“ simst, ist Familie wieder das, was sie sein soll.
Lisa Azuelos gelingt es wie aus dem Ärmel geschüttelt, daß sich das damalige LOL-Gefühl sofort wieder einstellt, sie erlaubt sich ein paar schöne Spitzen gegen einen allzu depperten Zeitgeist (inklusive eines an OH BOY erinnernden Kaffeemoments), thematisiert ausufernden Social Media-Streß, ist aber offen genug zu erkennen, daß Gestern und Heute, Alt und Jung doch mehr vereint als trennt. Kenner wird es freuen, daß Azuelos (höchstpersönlich wieder als genial einsilbige „Mhh ...“-Psychologin an Bord) auch wieder ein tolles Chanson ihrer unvergeßlichen Mutter Marie Lafôret in den schmissigen Soundtrack eingeflochten hat, und geradezu lässig entzaubert sie die ewigen Motzer, wonach früher alles besser war. Weil es Quatsch ist, denn das Leben war schon immer leicht und kompliziert, beglückend und herausfordernd. Egal wie alt, egal wie jung.
Für Anne ist es ein Prozeß zu akzeptieren, daß man sie mit gerade mal Mitte 50 eben auch „Oma“ nennen wird, für Louise, daß aus einer Sauftour-Taxibekanntschaft Liebe und Zuverlässigkeit entstehen können. Und der Zuschauer lernt mindestens dazu, daß man genießen soll, wenn einem das Leben etwas schenkt. Den nehm’ ich mit ...
[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.