D 2025, 98 min
Verleih: Piffl

Genre: Drama

Darsteller: Magdalena Laubisch, Gerta Gormanns

Regie: Jaqueline Jansen

Kinostart: 18.06.26

Sechswochenamt

Vom Abschiednehmen

In nichtkatholischen Gegenden weiß man mit dem Begriff „Sechswochenamt“ nicht unbedingt etwas anzufangen. Gemeint ist damit eine Messe, die sechs Wochen nach dem Tod oder dem Begräbnis eines Menschen für ihn gelesen wird. Ein Ritual, das helfen soll, den Verlust zu verarbeiten. Doch die junge Lore aus dem ländlichen Erkelenz, die gerade erst ihre Mama an den Krebs verloren hat, findet keinen Trost in den althergebrachten Riten. Schließlich war ihre Mutter auch eher unkonventionell. Und überhaupt hat gerade die Corona-Pandemie begonnen, die alles sicher Geglaubte über den Haufen wirft.

Also gestaltet Lore die Traueranzeige bunt und nutzt ein rechtliches Schlupfloch, um dem deutschen Friedhofszwang zu entgehen. In ihrer in der Landwirtschaft verankerten Familie stößt sie jedoch mit dieser Art zu trauern auf Unverständnis. Die junge Frau bleibt weitgehend in ihrer Trauer allein, und daran ist nicht nur die Pandemie schuld. Begegnen ihr doch die meisten Mitmenschen in dieser ersten Trauerphase mit ausweichenden Floskeln. Es irritiert sie, daß Lore sich Zeit nimmt, den Abschied auch wirklich zu fühlen – ohne festen Rückkehrtermin in die „Normalität.“

Die junge Nachwuchsschauspielerin Magdalena Laubisch, die in jeder Szene zu sehen ist, trägt den Film mit ihrer kraftvollen Präsenz. Regisseurin Jaqueline Jansen zeigt in ihrem Debütfilm in nüchternen und im Alltag verwurzelten Bildern das ganze Prozedere nach dem Ableben: die Bürokratie, die Wohnungsauflösung, die Beileidsbekundungen … Der Tod betrifft in erster Linie die Lebenden. Und auch wenn man einen solchen Verlust noch nicht erlebt hat, weiß man: Irgendwann kommt das auch auf mich zu.

[ Dörthe Gromes ]