[ 30.07.2026 ] Ich gehe oft der Typen wegen ins Kino. Also, in Bezug auf Filmcharaktere natürlich. Denn genau dort, im raumfüllenden Dunkel und dem erlösenden Licht ganz weit vorne, begegnet man eigenwilligen Menschen, echten Typen eben, deren Bekanntschaft man im normalen Leben wohl eher selten macht. Oder nie. Was meist auch in Ordnung ist.
Paul Gompitz ist so einer. Und auch wenn sich dessen DNA etwas frei aus einer realen Person speist, macht es eben diesen Kerl in SPAZIERGANG NACH SYRAKUS nicht weniger interessant. Er ist nicht übermaßen sympathisch, nicht außerordentlich ambitioniert, vielleicht auch nicht der attraktivste Feinrippträger in der Zone, aber eben doch voll wilder Energie und Lebenskühnheit, wenn es um (s)einen irren Plan geht. Den nämlich, die DDR mal so kurz auf kreuzgefährlichem Weg zu verlassen, um nach ein bißchen Reiseluft wieder den unvergleichbaren Mauerduft zu genießen. Gelebte Sturheit, mindestens.
Angetan hat es mir auch der Viererbund aus Joe, Angela, Piña und Hawk, die Olivia Wilde in THE INVITE aufeinanderstoßen läßt, um sich ihrer eigenen obskuren Sehnsüchte, verqueren Komplexe oder auch nur ihrer müden Verschrobenheit in Liebes- und Ehedingen gewahr zu werden. Da mochte ich an sich alle Typen, wobei sie mir auch ein wenig leid taten. Ganze Typenkabinette mit üppigen Schrulligkeiten und bestens gepflegten Neurosengärten findet man zweifelsfrei in den herrlichen Komödien STECKERLFISCHFIASKO und OH LA LA 2. Und dann wäre da – um meine Typenstudien nicht ausufern zu lassen – vielleicht noch Ursula, der das Leben doch viel Traurigkeit und Zorn ins Gesicht gemeißelt hat, ein Gesicht, das zumindest einen Anflug von Entspannung erfährt, als die übergriffige Mutter endlich stirbt. Auch wenn deren Geist keine Ruhe geben will in IM SPIEGEL MEINER MUTTER. Allesamt Figuren mit Ecken und Kanten, keine aalglatten Windschattenfahrer, eher Herausforderer, wenn auch wider Willen. Solche Typen mag ich!
Das Kino bietet im August noch viel mehr von denen. Ach, und eine zweibeinige Type darf da nun wirklich nicht vergessen werden – namenlos zwar, aber derart couragiert und das Überleben einfordernd sowie Feuer, Mensch und Hund trotzend, daß einem ganz warm ums Herz wird. Kennenzulernen ist das imposante Federvieh in den LEBENSANSICHTEN EINES HUHNS.
Tolle Bekanntschaften im Kino wünscht
[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.