Editorial 11/2026

[ 29.10.2026 ] Ist eine Binse und trotzdem – das Kinoerlebnis bezieht eine seiner größten Stärken aus dem Schauspiel. Das geht so weit, daß selbst mittelmäßige Filme gerettet werden können – vom starken Spiel seiner Darsteller. Im besten Fall ist das aber nicht die Aufgabe der Schauspieler, scheint es doch logisch, daß sie vor allem dann zu Höchstleistungen in der Lage sind, wenn alle Gewerke beim Film zahnradgleich greifen, ein gescheites Drehbuch vorneweg. Der November bietet viel Gelegenheit, sich von großartigen Schauspielern in tollen Filmen einnehmen zu lassen. Wer beispielsweise uneitles Schauspiel auf höchstem Niveau sehen will, inklusive profunder Verletzlichkeit und gar Mut zur Häßlichkeit, dem seien schon mal diese zwei Namen gesagt: Helene Bjørneby und Renate Reinsve. Deren Film BUTTERFLY selbst ist auch eine Empfehlung, und was die zwei Norwegerinnen darin zeigen, ist feinste Schauspielkunst. Punkt!

Eine Wucht ist übrigens auch Katharina Thalbach in LIEBLINGSMENSCHEN. Auch im Sinne von notwendigen Zwischentönen, denn es ist kein Geheimnis, daß die Thalbach auch Rampensau kann, die versteckt sie als bald 102jährige Agnes Jeschke in diesem Herzensstürmer nicht, hält sie aber am Zügel und spielt damit alle Facetten ihrer Kunst aus, was uns diese wunderbare Alte so nahebringt. Und wer würde sein Herz schon verschließen, wenn die Thalbach mit diesem schelmenhaften Leuchten in den Augen als Frau Jeschke reflektiert: „Rüstig heißt ‚Im Prinzip tot, aber zuckt noch’“? Eben!

Daß John Malkovich einer der größten Schauspieler der Filmgeschichte ist, wird sicher jeder unterschreiben, der sich bisher von der Bandbreite dieses Allrounders überzeugen durfte, wer ihn aber nun in WILD HORSE NINE als zynischen und lebensmüden Chris erlebt, sieht einen Künstler auf seinem Gipfel und in Reichweite auch schon reichlichen Preisregen niederprasseln. Verdient!

Zu ihr muß eigentlich nichts mehr geschrieben werden. Sie kann wirklich alles! Sie muß keinem etwas beweisen, sie spielt stets auf den Punkt, verschmilzt mit ihren Figuren, umgarnt den Zuschauer in einem Mix aus Faszination, Irritation und Hingabe, scheut keine Abgründe und nicht mal seltsame Perücken – EIN TALENT FÜRS MORDEN ist somit ein astreiner Helen-Mirren-Film. Versprochen!

Eindrückliche Begegnungen im Kino wünscht

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.