D 2026, 103 min
Verleih: Camino

Genre: Drama, Historie

Darsteller: Christian Berkel, Axel Prahl, Bibiana Beglau

Regie: Marcus O. Rosenmüller

Kinostart: 05.11.26

Block 10

Film als Martyrium

Man muß es ehrlicherweise so geradeheraus schreiben – dieser Film setzt dem Zuschauer beinahe unaushaltbar zu, erzählt er doch von unfaßbarem Leiden. An hunderten jüdischen Frauen wurden in Auschwitz extrem schmerzhafte und erniedrigende medizinische Experimente durchgeführt. Die meisten von ihnen starben an deren Folgen und den schlechten Bedingungen im Lager. Drei KZ-Ärzte rivalisierten darum, die effektivste Methode zur Zwangssterilisation für Frauen und Männer zu finden. Die Nazis planten, sie nach dem Endsieg in den von ihnen besetzten Gebieten großflächig anzuwenden. Menschen, die nicht den Kriterien der „Herrenrasse“ entsprachen, sollten keine Nachkommen mehr bekommen können.

Die meist sehr jungen Frauen wurden behandelt wie Material. Ständig schwebte die Drohung über ihnen, nach Auschwitz-Birkenau in die Gaskammern geschickt zu werden, wenn sie sich als „unbrauchbar“ erweisen sollten. Der Sadismus der leitenden Ärzte kannte keine Grenzen. Ihnen zur Seite stand jedoch auch medizinisches Personal, das sich aus Insassen rekrutierte. Die Position dieser kollaborierenden Häftlinge war eine äußerst schwierige: Bei Nicht-Kooperation drohte ihnen ebenso der Tod, gleichzeitig halfen sie dabei, die Verbrechen durchzuführen.

Der Film folgt dem jüdischen Arzt Dr. Maximilian Samuel aus Köln. In der Hoffnung, seine Tochter zu retten, erfüllt er zunächst eifrig die Anweisungen der Nazis. Als ihm die Aussichtslosigkeit seiner Lage bewußt wird, beginnt er, den Frauen auf seine Art zu helfen. Auch wenn Samuel der zentrale Charakter ist, gibt es keine wirkliche Identifikationsfigur in diesem Film, der zwischen den Perspektiven der Frauen, der Ärzte und des Personals wechselt. Der Film von Drehbauchautorin Alice Brauner und Regisseur Marcus O. Rosenmüller beruht auf Zeitzeugendokumenten und Gerichtsprotokollen, alle vorkommenden Charaktere gab es tatsächlich, nichts wurde aus Gründen der Dramatik hinzugefügt. Insofern ist BLOCK 10 ein Hybrid zwischen Dokumentar- und Spielfilm.

Der Film zeigt ungefiltert den Schmerz und die Todesangst der Frauen. Weder durch Schnitt, Soundtrack oder andere filmische Mittel wird hier etwas abgemildert. Es gibt fast keine Außenaufnahmen, die Handlung spielt sich ausschließlich im titelgebenden Gebäude ab. Der einzige Lichtblick ist die Solidarität unter den inhaftierten Frauen, die einander, so gut es eben geht, beistehen.

[ Dörthe Gromes ]