Originaltitel: BY ANY MEANS
USA 2026, 106 min
FSK 18
Verleih: Plaion
Genre: Action, Thriller
Darsteller: Mark Wahlberg, Yahya Abdul-Mateen, Nicole Beharie, Giancarlo Esposito, David Strathairn
Regie: Elegance Braton
Kinostart: 29.10.26
Gregory Scarpa (1928–1994) ist eine Legende. Im Dienste der Colombo-Familie, einst einer der führenden Cosa-Nostra-Clans New Yorks, erwarb er sich Kosenamen wie „The Grim Reaper“ (Sensenmann) oder „Mad Hatter“ (Verrückter Hutmacher). Warum dem so ist, mag man ahnen. Und wer jetzt doch wegen des „Hutmachers“ fragend die Stirn runzelt, dem sei Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ empfohlen. Der darin auftauchende Mad Hatter ist eine so ambivalente wie impulsive Figur an der Grenze zum Wahnsinn. Oder auch schon jenseits dieser. Daß nun ausgerechnet so ein Typ wie Scarpa auch konspirative Kontakte zum FBI pflegte, mag Freunde klarer Gut-Böse-Frontverläufe irritieren. Und mithin die alte und ja oft quälende Moralfrage aufwerfen, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt. Welche Antwort Regisseur Elegance Braton jetzt in BY ANY MEANS darauf gibt, läßt freilich schon der Titel seines Films ahnen.
Ins Jahr 1966 führt der, in den US-Süden, nach Mississippi. Dort soll der schwarze FBI-Agent Strider den Mord an einem Bürgerrechtsaktivisten aufklären. Ein Haßverbrechen, begangen von Mitgliedern des Ku-Klux-Klans. Und natürlich: Jeder vor Ort weiß, wer zu der Gruseltruppe mit den albernen Zipfelmützen gehört. Und ebenso natürlich: Keiner sagt was. Manche aus Angst, andere aus Einverständnis. Daß Strider von der örtlichen Polizei, allesamt Weiße, keine Hilfe bekommt, versteht sich von selbst. Aber weil die Zeiten sich ändern und die FBI-Chefetage Ergebnisse sehen will, verfällt man auf eine im wahrsten Sinne schlagende Idee: Man holt Scarpa ins Boot. Inoffiziell, versteht sich. Für eine Geheimaktion, in der Mafioso und FBI-Agent gemeinsam das Schweigen brechen und entsprechende Ergebnisse erzielen sollen. Mit allen Mitteln.
Die Scarpa von Anfang an ohne und Strider mit zunehmend weniger Skrupeln anwendet. In einem Film, der diese Mittel – konkret Folter – zwar nicht gleich heiligt, aber durchwinkt. Daß das auch inszenatorisch und darstellerisch eher eine Hau-drauf-Räuberpistole geworden ist, geht in Ordnung, wenn man das Ganze als den straighten B-Film goutiert, der es unterm Strich ist. Die auch politische Brisanz dieser auf wahren Begebenheiten fußenden Geschichte schließt das nicht aus. Die spannenden Ambivalenzen einer Figur wie Scarpa und einer Wirklichkeit, deren Moral an der Grenze zum Wahnsinn taumelt, leider schon.
[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.