D 2026, 93 min
Verleih: Piffl
Genre: Dokumentation, Polit
Regie: Götz Schauder
Kinostart: 26.11.26
Geteilte politische Ansichten sind nicht gleichbedeutend mit persönlicher Nähe, nicht einmal innerhalb der eigenen Familie. Götz Schauder begleitet in DER PREIS DES WIDERSTANDS einen Vater und einen Sohn, die beide auf ihre Art in Opposition zur DDR standen und doch über Jahrzehnte kaum Kontakt miteinander hatten. Die Last der Vergangenheit liegt schwer auf dieser Beziehung.
Gert Neumann, oppositioneller Literat und Sohn der parteinahen Schriftstellerin Margarete Neumann, konnte zu Ostzeiten nur illegal im Westen publizieren. Um für seine Kunst leben zu können, verließ er seine Frau und die gemeinsamen, damals noch sehr kleinen Kinder und ging vom sozialistischen Musterdorf ans Literaturinstitut nach Leipzig. Wut, Trauer und Unverständnis über dieses Verlassenwerden ist bei seinem Sohn, dem Fotografen Aram Radomski, bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter spürbar. Als junger Mann filmte er illegal für das Westfernsehen den Republik-Alltag. Vor allem seine Aufnahmen von den Leipziger Montagsdemos entfalteten große Wirkung.
Der Film verwebt diese persönliche Geschichte mit den politischen Zeitläufen des Landes. Es ist berührend und frustrierend zugleich, diesen zwei Menschen dabei zuzusehen, wie sie miteinander um Verständigung ringen, was oft genug ins Leere läuft. Denn meist reden sie über- statt miteinander. Der persönliche Preis des Widerstands ist offenbar auf beiden Seiten sehr hoch. Daß am Ende trotz der tiefen Gräben eine vorsichtige Annäherung steht, setzt ein hoffnungsvolles Zeichen in den aktuellen Zeiten, die schwer vom Lagerdenken gezeichnet sind.
[ Dörthe Gromes ]