Machen wir gleich mal einen Punkt: Ob diese Verfilmung viel oder wenig mit Enid Blytons Vorlagen zu tun hat, steht hier nicht zur Debatte. Weil die Buchreihe vor über 80 Jahren startete, hier also eher ein zeitgemäßes Update bekommt. Da hat Mama ihren Job geschmissen, Papa war eh arbeitslos, für drei Geschwister – die schweigsame Fran, Pubertätsalptraum Beth und einen so blassen Jungen, daß man seinen Namen schon wieder vergaß – geht’s daher aus finanzieller Not aufs Land. Die Freude hält sich in engsten Grenzen, zumal dort massive Einschränkungen hinzunehmen sind („Ich habe nur noch 3G!“) und bislang unbekannte Herausforderungen lauern: „Warum sitzt denn da ein Huhn?!“ Stimmung kommt erst auf, als Fran das titelgebende Gewächs entdeckt, Heimstatt freundlich-spinnerter Wesen wie Fee Seidenhaar, Sir Namenlos oder Frau Wasch; genau einmal darf geraten werden, weshalb die jeweilige Namensgebung geschah. Dazu bietet der Baum ständig wechselnden Zugang zu anderen Ländern, alle kunterbunt und auf ihre Weise schön. Bis auf eines. Dort herrscht Madame Klaps – und hat natürlich einen solchen.
Wie überkandidelt Rebecca Ferguson diese Fantasy-Domina mimt, bereitet ebenso enthemmte Freude wie Jennifer Saunders’ grantige (Schwieger-)Mutter/Oma, die vielleicht deshalb nie lächelt, weil der großzügig im Gesicht verteilte Selbstbräuner zu klebrigen Krusten gerann. Von beiden Damen hätte man gern mehr gesehen, ihre gebotenes Talent ungenutzt lassenden Kurzauftritte legen den Finger auf einen generellen Reibungspunkt Problem, konkret Unausgewogenheit der einzelnen Bestandteile. Da hampelt Andrew Garfield eindeutig zu albern durchs Bild, die Musik tut, was sie häufig macht, also dröhnen, auch auf wiederholten familiären Singsang wäre dankend zu verzichten gewesen, es knarzt manchmal schon ziemlich im Geäst.
Trotzdem verfängt der Film immer wieder, verzaubert regelrecht mit engagierten Darstellungen wie von Nicola „Seidenhaar“ Coughlan. Überhaupt gehört ganz offensichtlich den Frauen das Kommando, Männer gehen eher begleitend durch, ob schwerhöriger Pfannenmann oder selbsternannter Führer Mondgesicht, dessen Autorität eher Wunsch bleibt denn Tatsachen spiegelt. Eine angenehm moderne Lesart, dazu furchtlos unbefangenes Schwelgen in universell blühender Phantasie: Upgrade geglückt.
Originaltitel: THE MAGIC FARAWAY TREE
GB 2026, 110 min
Verleih: Leonine
Genre: Literaturverfilmung, Kinderfilm, Fantasy
Darsteller: Andrew Garfield, Claire Foy, Nicola Coughlan, Rebecca Ferguson, Jennifer Saunders
Regie: Ben Gregor
Kinostart: 30.04.26
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...