Österreich/Luxemburg/D 2026, 120 min
FSK 12
Verleih: Neue Visionen

Genre: Horror, Komödie

Darsteller: Isabelle Huppert, Birgit Minichmayr, Thomas Schubert, Lars Eidinger, André Jung

Regie: Ulrike Ottinger

Kinostart: 29.10.26

Die Blutgräfin

Bildnis einer Trinkerin 2.0

Das kam so trocken, es wehte fast ein Busch vorbei – im Gespräch mit dem Österreichischen Filminstitut hustete Regisseurin Ulrike Ottinger über Vorlagenlieferantin Erzsébet Báthory: „Ehrlich gesagt, interessiert mich ihre Geschichte nicht besonders. Die habe ich vielmehr als Vehikel verwendet.“ Okay. Wofür?

Zunächst ein sich eher leger um Isabelle Huppert rankendes Handlungsgeflecht, während sie beim Verkörpern des titelgebenden Mysteriums nicht immer zu wissen scheint, warum sie hier wie agiert; das aber natürlich auf höchstem Niveau. Sie mimt eine uralte Vampirin, deren Durst in Wien gestillt werden soll, parallel gilt es, der Vernichtung mittels bannender Literatur zu entgehen. Gelegentlich fällt Huppert jedoch Birgit Minichmayr zum Opfer, einer gemeinen Szenendiebin im Louise-Brooks-Look, kann sich zumindest auf Elfriede Jelinek stützen, aus deren Feder Dialoge flossen. Darin einiger Humor – oder eben das, was eine zutiefst intellektuelle Seele witzig findet.

Ottinger strickt daraus eine Mär übers facettenreiche Ausbluten, einen seine Launigkeit feiernden Fiebertraum vor wackeligen Machtgefügen, einen Zirkusabend voll Bilderpracht und entzogener Eindeutigkeiten. Manche Extravaganz stimuliert da etwas heimlich Vergrabenes, andere verlieren den Halt und plumpsen nur schwer aufs (Nerven-)Kostüm nieder. Man kann das alles überstilisiertes Provinztheater nennen, dessen Campfaktor bloß wenig hinzufügt. Oder feministische Geraderückung. Oder den künstlerisch scharfen Blick auf eine gesellschaftliche Monstergenerierungsmaschinerie. Unabhängig von individueller Zuschauerzuschreibung: „Mir egal“ steht jedenfalls nicht auf dem Ticket.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...