Originaltitel: A TALENT FOR MURDER
GB/I 2026, 106 min
FSK 12
Verleih: Tobis
Genre: Drama, Thriller, Biographie
Darsteller: Helen Mirren, Alden Ehrenreich, Olivia Cooke, Juliet Stevenson
Regie: Anton Corbijn
Kinostart: 05.11.26
Vorspann, Auftritt, vollständige Übernahme: Schon nach der ersten Szene vermag man sich keine andere als Helen Mirren mehr vorzustellen, um der … nun ja … meinungsstarken Autorin Patricia Highsmith nachzuspüren. Sie qualmt, säuft, schreibt Briefe, haßt Mails. Offene Ablehnung dient gemütlichem Hegen eigengewählter Einsamkeit, deutlich ausgestellter Zynismus schützt die Weichteile (hier eben das Herz), nirgends regulierter Wille zur Verletzung gleicht einstudiertem Spektakel. Mirren zieht darin die Schultern hoch, lacht verächtlich – und mimt Sekunden später erstaunte Verletzung oder angegriffenen Zorn, denn Highsmith mutiert spontan zur Mimose, wenn Kritik sie trifft. Zumindest bei Menschen unterhalb ihrer so empfundenen, selbstgerecht definierten Augenhöhe. Auch Edward Ridgeway, junger Lektor, welcher sie im Verlagsauftrag zum Verfassen eines neuen Buches überreden soll, wird Attackenziel.
Er tritt mit Blumen an – und hat, man ahnt’s, direkt verloren. Highsmith alias Mirren walzt Ridgeway alias Alden Ehrenreich komplett nieder, ihren gleißend-scharfen „Ping!“ folgen seine dumpf-verteidigenden „Pong!“, zusammen gibt das rasanzoptimierte Dialogduelle. Bis der vermeintlich Chancenlose unverhofft einen Satz gewinnt. Er darf bleiben. Und Highsmith helfen, den perfekten Mord zu planen.
Das ist zwar weder atemberaubend spannend noch spektakulär inszeniert, aber derart konzentriert auf Dynamik fokussiert, daß man beim Zuhören fast vergißt hinzusehen, Lichtspiele ebenso zu verpassen droht wie Schattenwürfe auf Gesichtern, von Hitchcock geborgte Perspektiven oder überaus sorgfältig getupfte Farben (rotes Telefon!). Vor sinister mäanderndem Soundtrack taucht zwischen alternativen Realitäten, dreifachen statt doppelten Böden, sich stetig architektonisch verschiebenden Erzählplatten eine Interpretationsfreifläche auf, der übliche Formulierungen à la „Vermischung von Fiktion und Realität“ nicht mal ansatzweise begegnen können. Highsmith fragt nach „Wer? Wie? Was?“, und ob darauf Ridgeway „Der! Die! Das!“ antwortet oder er ebenfalls bloß einen Teil ihrer zersplitterten Psyche spiegelt, entschlüsselt allein: der eigene Geist.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...