D 2026, 114 min
Verleih: DCM

Genre: Dokumentation

Regie: Wim Wenders

Kinostart: 26.11.26

From Inside Out

Durch Architektur schweben

„Nichts ist schöner als das Tageslicht, das auf Material fällt und das, was der Mensch geschaffen hat, modelliert.“ Klingt irgendwie erhaben und tiefsinnig zugleich, oder? Wahr außerdem. Und wird dann auch noch so gesprochen, so sonor schwingend, so weltverwurzelt kontemplativ und in sanft guttural schweizerdeutscher Stimmfärbung. So, wie es sich gehört für einen wie den Zumthor, Peter. Dem berühmten Schweizer Architekten – und wir überlassen hier mal das marktschreierische Wort „Stararchitekt“ gern all jenen, die es sich mal wieder nicht verkneifen können – hat Regisseur Wim Wenders mit FROM INSIDE OUT jetzt ein Filmporträt gewidmet. Eins, das aber, wie dessen Unterzeile, „Die Architektur von Peter Zumthor“ ja schon verrät, sich eher dem Werk als der Person widmet.

Nicht, daß das eine vom anderen zu trennen wäre. Aber dem biographischen Lebensstationen-Aufsagen oder gar tiefenpsychologischen Ausloten verweigert sich Wenders’ Film in angenehm stiller Beharrlichkeit. Stattdessen gibt es immer wieder Hände zu sehen, die Treppengeländer, Mauern, verschiedenste Materialien berühren. Was zu tun hier freilich ausschließlich in den schönen Händen ausgesprochen schöner, mithin stilvoller Menschen liegt. Die wandeln wieder und wieder durch Zumthors Architektur wie durch begehbare Kunstwerke. Schauen sich ihrerseits die schönen, stilvollen Dinge an, liebkosen die verwendeten Naturmaterialien mit Fingerspitzen, Handflächen und –rücken. Und sind in alldem immer auch dazu da, mit ihrer Körperpräsenz und zudem in gern mal tänzerischen Darbietungen die Raumtiefen und Flächenstrukturen, die faszinierenden Licht-Schatten-Konzeptionen, die Körperlichkeit eben in den verschiedensten Gebäuden Zumthors erfahrbar zu machen.

Daß das nun der geschmäcklerischen Gespreiztheit tatsächlich eher selten erliegt, verdankt sich wiederum maßgeblich der brillanten Kameraarbeit Franz Lustigs. Vor allem in 3D-Optik bringt der den Blick geradezu zum Schweben und veranschaulicht im wahrsten Sinne Zumthors Satz vom „Nichts ist schöner als das Tageslicht auf dem vom Menschen modellierten Material.“ Sich dergestalt durch Architektur zu bewegen, dafür gibt es – abgesehen von der Architektur selbst natürlich – keinen besseren Ort als das Kino.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.