D/F 2025, 89 min
Verleih: Port au Prince

Genre: Drama

Darsteller: Jean-Christophe Folly, Maren Eggert

Regie: Ulrich Köhler

Kinostart: 30.04.26

Gavagai

Happy End für Medea?

GAVAGAI beschreibt die Fiktion als Konflikt mit der Realität. Ulrich Köhler zeigt einen Film im Film. Er verwebt dessen Szenen mit Einblicken in ihre Entstehung mit den Ereignissen rund um ihre Weltpremiere. „Medea“ hat er sich als Stoff ausgesucht. Er stellt ihn einer kriselnden Beziehung, einem Kunstbetrieb und letztlich einer Vielzahl globaler Verwerfungen als Schablone und Spiegel gegenüber. Maren Eggert und Jean-Christophe Folly verkörpern dabei eine Schauspielerin und einen Schauspieler, die während ihrer „Medea“-Produktion in Senegal eine Affäre beginnen. Eine schroffe Zäsur springt dann nach Deutschland. Der Film ist fertig. Auftritt auf der Berlinale. Im Hotel kommt es zu einem Rassismus-Eklat, der die Beziehung der beiden Darsteller mit neuen Fragezeichen versieht.

Köhlers verunsichernder Film wandelt auf den Grenzen von Solidarität und Übergriffigkeit. GAVAGAI entpuppt sich so als brillantes Stück postkolonialen Meta-Kinos, das die Diskurse um politische Korrektheit, Macht, Verantwortung und ungleiche Privilegien zwischen seinen Realitäten und Schauplätzen an brisante Punkte führt. Köhler verschreibt sich dabei keinen plumpen Kulturkämpfen, sondern voll und ganz der Ästhetik und der Frage nach deren Politisierung. Seine fragmentierte, offene Erzählweise ermöglicht schließlich ein umso neugierigeres Hinsehen, wenn all die Konflikte und Szenen selbst als künstlerische Geste zur Disposition gestellt werden.

Während Medea und Jason nach einem neuen, einem glücklicheren oder auch schlimmeren Ende als in ihrem Mythos suchen, hat sich das Schauspiel längst von den Spielenden entfremdet. Wie soll man überhaupt lieben nach so viel Grausamkeit?

[ Janick Nolting ]