Originaltitel: I PLAY ROCKY

USA 2026, 128 min
Verleih: Leonine

Genre: Biographie, Drama

Darsteller: Anthony Ippolito, Matt Dillon, AnnaSophia Robb

Regie: Peter Farrelly

Kinostart: 26.11.26

I Play Rocky

Sturer Hund

Für geübte DDR-Bürger sind heute und waren schon damals politische Propaganda und mediales Framing schnell enttarnt, wir wittern einfach rasch den Mief des Falschen und Krummen. Als vor gottlob langer Zeit Filmcharaktere wie Rocky und Rambo politisch und medial mit den üblichen Keulenschlägen als kalte Krieger und imperialistische Aggressoren vermaledeit wurden, war einem sofort klar, daß an diesen Kerlen was dran sein mußte, an ihrem Darsteller sowieso. So wurde auch aus mir ein früher Fan, der schutzwallbedingt die Filme erst spät zu Gesicht bekam, als platte Hetze gut riechender Werbung wich und der Klassenfeind die Himmelsrichtung änderte, was der Faszination keinen Abbruch tat. Gerade Rocky war vor allem für Jungs ein durchtrainiertes Role Model, endlich einer, der es gegen alle Widerstände nach oben schaffte – eine paßgenaue Spiegelung des Aufstiegs von Sylvester Stallone, von dem nun dieser kraftvoll pulsierende Film erzählt.

Stallone träumt früh von der Schauspielerei, schlägt sich dafür ab Ende der 60er-Jahre in allerlei Jobs durch, zu den besseren gehört der eines Hotelpagen, zu den milieustichigen der des Türstehers und zu den Schamgrenzen auslotenden Slys filmischer Aufschlag in halbseidenen Sexstreifen. Denn selbst die Sieben-Dollar-Absteige für eine Nacht muß bezahlt werden, und mit ein paar Dollars mehr schafft sich Stallone Freiraum – zum Schreiben. Und der, der immer Schauspieler werden wollte, wird so auch Drehbuchautor, dem der große Wurf erst noch gelingen soll, als er in der Glotze einen legendären Ali-Boxkampf sieht, gegen den Kneiper wettet und bald das Freibier stehenläßt und schreibt. Dreieinhalb Tage lang. Wesentlich länger dauert sein Insistieren gegenüber den vom Buch begeisterten Produzenten, als es um die Besetzung der Titelrolle geht ...

Natürlich kennen ROCKY-Fans und Stallone-Anhänger den Ausgang der Geschichte, aber der war bei TITANIC auch bekannt, entscheidend ist doch, wie packend, mitfiebernd und mit welch’ brillantem Wiedergänger Stallones in der Hauptrolle dem Regisseur Peter Farrelly diese irre Geschichte von unbeirrbarer Sturheit und dem todsicheren Glauben an sich selbst gelingt. Dieser junge Kerl ist nicht mit Geld zu kriegen, mögen sie alle noch so geifern, daß einer mit dieser Fresse und der Aussprache, als hätte er Steine im Mund, niemals Schauspieler wird, Stallone und Rocky waren eben unterschätzte Brüder im Geiste.

I PLAY ROCKY ist ein sehr edles Stück besten Old School Kinos geworden, schnörkellos erzählt, beim Aufbau seines Helden ganz dem Überwinden des vorerst Unmöglichen vertrauend, dazu das Einbetten der längst legendären Musik aus

ROCKY, allein diese triumphierenden Blechbläser! Farrelly, der einstige Komödienspezialist, kann zum Glück vom Humor nicht lassen, auch der findet sich in diesem astreinen Herzenswärmer, dazu gehört auch der Running Gag von des Schauspielers Zwang zu lügen.

Die Begeisterung für diesen wunderbar anachronistisch wirkenden Film speist sich aber auch aus der Wahl des Hauptdarstellers Anthony Ippolito – der Gang, die Stimme, der Blick! Er wird tatsächlich zum jungen Stallone, und selten sprudelten aus einem beharrlichen „No“ derart viel Stolz und Sexappeal.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.