D 2026, 103 min
Verleih: Alamode
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Darsteller: Amanda Babaei Vieira, Stephanie Eidt, Sabrina Setlur
Regie: Randa Chahoud
Kinostart: 12.11.26
Die Ansage schockt. Professorin Saraswati duldet nur noch People Of Color in ihrem Unterricht. Zumindest als vorübergehenden Denkzettel. Stephanie Eidt verkörpert die Wissenschaftlerin und damit noch nicht einmal die Hauptfigur, aber den Mittelpunkt des ganzen Konflikts. Gleich am Anfang legt sie einen furiosen Auftritt hin. Ihre Figur zieht Menschen in den Bann, auch beim Zusehen im Kino. Wenn sie große Reden schwingt, ergreift sie von anderen regelrecht Besitz. In den faszinierendsten Szenen arbeitet die Regisseurin Randa Chahoud mit choreographischen Einlagen: Saraswati spricht und andere beginnen, sich zu bewegen. Sie versetzt Körper ruckartig in Wallung und sorgt zugleich für Störungen im geordneten Uni-Alltag.
Wie schon die Romanvorlage von Mithu Sanyal erzählt IDENTITTI vom Auffliegen eines großen Schwindels. Saraswati ist in Wirklichkeit selbst eine Weiße. Der Rest ist Inszenierung, ihr Selbstentwurf eine Fiktion, ein Mißbrauch von Privilegien. Aber kann man es sich mit einer Kritik so einfach machen? Nivedita, eine deutsche Studentin polnisch-indischer Abstammung, gerät im Konflikt mit Saraswati an die Grenzen ihres eigenen Verständnisses von Biographie, Herkunft, Identität. In Spielfilmform gerät diese Auseinandersetzung ein wenig zerstreut in all den inszenatorischen und erzählerischen Facetten zwischen Hexenjagd, Coming-Of-Age-Drama, Tagträumen und politischem Diskurs vor der Kamera.
Eine produktive Erschütterung gelingt IDENTITTI dennoch, indem der Film die Ideologien von der vermeintlichen Ich-Essenz und davon abgeleitete Zugehörigkeiten dekonstruiert und in letzter Konsequenz in eine Warnung vor rassistischer Gewalt verwandelt.
[ Janick Nolting ]