Originaltitel: IVÁN & HADOUM
Spanien/D/Belgien 2026, 100 min
Verleih: Port au Prince
Genre: Drama, Liebe, Schwul-Lesbisch
Darsteller: Silver Chicón, Herminia Loh, Úrsula Díaz Manzano, Cisco Lara
Regie: Ian de la Rosa
Kinostart: 05.11.26
„Zwitter!“ Der Verbalangriff ist neben ekelnder Anmaßung gleichzeitig faktisch falsch, weil er auf Transmann Iván nun mal nicht zutrifft. Dumme Menschen gibt’s eben überall, auch in Südspanien, wo Iván an ein besseres Leben für sich und die knapp, aber treffend charakterisierte Familie glaubt. Sein Arbeitsplatz: ein Landwirtschaftsbetrieb; die ersehnte Beförderung steht kurz bevor. Da schwebt Saisonarbeiterin Hadoum vorbei. Man kennt einander von früher, vergaß sich nie. Eine Nacht am Strand pflanzt neue (oder reaktiviert alte?) Gefühle.
Bemerkenswert, wie Regiedebütant Ian de la Rosa Iváns Transition zum stets gegenwärtigen Thema formt, ohne ihn darauf zu reduzieren. Irgendwo zwischen gewonnener Normalität und trotzdem nötigem Identitätskampf blitzt oft Selbstschutz durch, etwa dann, wenn er auf die Frage „Wer bist Du?“ einen ausweichenden Scherz reißt. Hadoum ihrerseits leidet als Marokkanerin unter Attacken, zieht ruhe- und haltlos von hier nach fern, derweil sich De la Rosas Blick beim Schauen auf zwei Menschen, Träume, Begehren, Ängste zunehmend schärft. Ob unverkrampfte Sexszene oder „Du riechst nach Tomaten …“ als scheue Zuneigungserklärung: Die Außenseiterballade schlägt starke Töne an. Daß hier noch mehr erzählt werden soll, nimmt ihr indes etwas weg.
Opponiert nämlich Hadoum gegen inakzeptable Arbeitsbedingungen und bringt Iván damit in wachsende Bredouille, kommt das vergleichsweise plump daher, opfert Subtilität erklärerisch angebrachter Kritik und nimmt außerdem Emotion raus. Genau dort, wo man den beiden angeschlagenen Seelen lieber einfach beim hoffentlich Verbinden oder leider Auseinanderdriften zugesehen hätte.
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...