Originaltitel: LA BOLA NEGRA
Spanien/F 2026, 155 min
Verleih: Pandora
Genre: Drama, Schwul-Lesbisch
Darsteller: Guitarricadelafuente, Miguel Bernadeau, Carlos González, Penélope Cruz, Glenn Close
Regie: Javier Calvo, Javier Ambrossi
Kinostart: 19.11.26
Stellen wir uns einen Kinobetreiber vor, der bei noch dunkler Leinwand vor das Publikum tritt und (ver-)spricht: „Sie hatten ein Epos bestellt? Bitteschön, hier ist das Epos! Durchwachsen und marmoriert, fulminant in der Länge, von zwei Regieköchen bereits episodisch dreigeteilt, wuchtig im Kunstausdruck von Farbenpracht, Schwarz und Weiß, verdichtet und gewürzt mit großen Gesten, Pathos, Zeitgeschichte. Arriba España!“ Zugegeben, es wäre etwas salopp, und salopp ist das völlig falsche Mittel, um LA BOLA NEGRA von Javier Calvo und Javier Ambrossi angemessen zu beschreiben. Schon vor seinem deutschen Bundesstart wurden Abertausende im Pulk einer spanischen und internationalen Zuschauerschaft von diesem ausgewiesen queeren Drama getroffen. Ins Mark.
Carlos, Rafael und Sebastián sowie Alberto sind junge Männer, verbunden in Zuneigungen und Zwängen. Carlos, ein aristokratischer Sohn, wird 1932 der im Grunde gesetzte Zugang zu einem lokalen Elitezirkel verweigert. Der Vorwurf: Homosexualität. Gerüchteweise. Ebene zwei beginnt 1937 im Spanischen Bürgerkrieg. Sebastián überlebt das Bombardement seines Dorfes, schließt sich den Putschisten Francos an und wird mit der Bewachung eines verwundeten Widerstandskämpfers betraut. Zwischen „dem Roten“ und Sebastián dürfen leise Nähe und Vertrauen entstehen. Liebe? In anderen Zeiten vielleicht. 2017 zum Beispiel, als der Autor und Historiker Alberto am ehesten noch mit seiner derangierten Mutter und Blockaden im Job zu kämpfen hat. Im Sex ist er frei, in der Beziehung großzügig. Er wird es sein, der vom Großvater den passenden Schlüssel zu allen drei filmischen Türen vererbt bekommt: das Manuskript von „La bola negra“, das als unvollendet ins Œuvre Federico García Lorcas eingegangen ist. Carlos ist eine fiktive Figur des Romans, und Rafael war in echt mit dem Dichter liiert.
Fakt trifft auf Fiktion, offensiver geht die Mischung kaum. Granada, Madrid, Kantabrien – von Süd nach Nord zieht sich die Schicksalslinie. Es ist die Tonspur, die Orte und Zeiten aneinanderheftet, in den stärksten Momenten erledigt es Sebastiáns Trompete. Kommt Carlos’ Story, ihrem Ursprung gemäß, eher theatralisch daher und für tiefere Lagen schwer zugänglich, erhält der mit Ansage und allen dramatischen Wassern gewaschene Film bei Sebastián und Rafael seine tragische, weil offen emotionale Erdung. Mit Alberto wird vor allem geerntet.
[ Andreas Körner ]
Passage Kinos: QueerBlick/Preview | OmU 20:30
Alle Angaben ohne Gewähr!