D 2026, 117 min
Verleih: Camino
Genre: Tragikomödie, Trash
Darsteller: August Diehl, Josef Hader, Thomas Schubert, Maya Unger
Regie: Tom Schreiber
Kinostart: 26.11.26
Nach all den harten Bandagen als nationalsozialistischer Arzt Josef Mengele und einem Kurzauftritt als Klaus Mann mit denkwürdigem Telefonat in VATERLAND hätte man August Diehl jetzt sehr gern mal die etwas luftiger sitzende Filmhose gewünscht. Anfangs sieht es noch so aus, als könnte SCHÖNE SEELEN dahingehend passen, doch der Schein trügt. Mehr und mehr ist Diehl hier als taumelnder Aussteigertyp gefragt, gerät sein Freddy mit auslaufendem Vokuhila, den blassen Tönen vom 90er-Look und Schluff als Religion in eine Endlosschleife des Versagens. Einzig, die Sonne scheint und das Meer ist nahe.
Freddy, ein auf jedwede Gelegenheiten trainierter Berufsjugendlicher, ist an der Costa Brava gestrandet und wurde von der dort üppig ansässigen deutschsprachigen Diaspora solidarisch aufgenommen. Als Auffanglageristen entpuppen sich Altkumpel Johannes, der sich endlich an einer eigenen Familie mit Frau und kommendem Kind versuchen will, sowie Diskothekenbetreiber Herbert. Besonders Letzterer, ein von Josef Hader ziemlich bitterbrutal gespielter ausgewanderter österreichischer Windhund, für den „der Zahnarzt das Einzige ist, das mich noch an Wien interessiert“, sorgt gönnerhaft dafür, daß Freddy mit ein paar losen Jobs über dem Eichstrich der Existenz bleiben darf. Das Personalessen im Club von Heriberto, wie die Einheimischen zum Ösi sagen, besteht aus Wodka, es wird also ordentlich gesoffen, gekifft, getanzt, geschuftet und gesungen, angemessen schräg und speziell von Hader punktgenau neben die Noten gesetzt. Irgendwann gibt es mit Niko sogar eine junge, gleichsam ausgestiegene Frau und a Leich’.
Zur Romanze oder zum Thriller aber wird dieses Kinostück deshalb noch lange nicht, eher ist die Zuspitzung einer Lose-Lose-Gemengelage zu sehen. Tom Schreibers dramatische Komödie beläßt es im Grunde beim szenischen Beobachten von Individuen, die in Gemeinschaft scheitern. Das ist im betreuten Bedauern manchmal hart anzusehen, schwer auszuhalten und als Gegenteil von vergnüglich auch böse. Denn der Humor wird mit zunehmender Laufzeit immer giftiger, und ein stets lustvoll sezierender Regisseur wie Ulrich Seidl rückt manchem Betrachter viel näher auf die Pelle, als ihm lieb sein dürfte.
Bliebe die letzte Frage: Was wäre wohl aus diesem Filmstoff geworden, hätten Hader, Diehl plus Thomas Schubert abgesagt? Man glaubt, es geht nur mit ihnen.
[ Andreas Körner ]