Originaltitel: ÁSTIN SEM EFTIR ER
Island/DK/S/F 2025, 109 min
Verleih: Plaion
Genre: Drama
Darsteller: Saga Garðarsdóttir, Sverrir Gudnason, Ída Mekkín Hlynsdóttir
Regie: Hlynur Pálmason
Kinostart: 18.06.26
Anna ist Künstlerin. In Island. Was ein Grund sein könnte, daß ihre Kunst in aller Abstraktion etwas sehr Elementares ausstrahlt. Diese großdimensionierten Bildnisse, die wie rätselhafte Muster prähistorischer Artefakte anmuten; geschaffen aus Dreck und Rost und von den Elementen, dem Regen, der Sonne und den alten Stahlscheiben, die Anna auf Leinwänden anordnet, die ihrerseits auf bloßer Erde, unter freiem Himmel, liegen. Faszinierend sieht aus, was dabei entsteht, was nach einer bestimmten Zeitdauer als Kunst zurückbleibt auf den Stoffen der Leinwände.
Und das somit etwas ganz anderes ist, als das, was dann mit THE LOVE THAT REMAINS als Geschichte auf der Kinoleinwand
gezeigt wird. Ein Frauenporträt als Künstlerin-in-der-Krise-Film, das Protokoll einer wohl gescheiterten Ehe, eine Mann-und-Frau-Reflexion und die Beobachtung eines allen Widrigkeiten zum Trotz ganz glücklich anmutenden Familienlebens. Und ja: Man schaut dem gern zu, zumindest eine Weile. Wenn Anna mit ihren Kindern spielt (zwei Bengel, ein Mädchen) oder wenn sie innerlich zitternd vor Verachtung und Wut einem affektierten Kulturprimaten von Galeristen ihre Kunst zeigt (der dafür natürlich nicht empfänglich ist, der Schmock). Oder wenn sie einfach bei ihrer Arbeit ist, ihre Kunst schafft.
Bei alldem ist man gern dabei und bringt auch gern die Geduld auf, die Regisseur Hlynur Pálmasons für dieses Dabeisein einfordert. Nur behält THE LOVE THAT REMAINS dann eben nicht nur Anna im Fokus, sondern widmet sich auch deren Mann Magnús. Der arbeitet als Fischer auf einem Hochseetrawler und ist eher Gast bei seiner Familie als vollwertiges Mitglied. Was Magnús mit waidwundem Stoizismus erträgt. Oder es jedenfalls zu ertragen versucht.
Fakt jedenfalls ist, daß Pálmasons Film mit Magnús im Blickpunkt von einem Zustand der Empfindungen in einen der Befindlichkeit driftet. Gefühlig wird. Und als hätte Pálmason diese Dynamik selbst gespürt oder erkannt, garniert er seinen Film zunehmend mit artifiziell ambitionierten Szenen und bildhaft-metaphorischen Zwischenschnitten. Kunstwillen als (vergeblicher) Fluchtreflex? Vielleicht. Die Kunst jedenfalls, die in THE LOVE THAT REMAINS zu sehen, stammt eindeutig eher von Anna.
[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.