Originaltitel: BLUE MOON

USA/Irland 2025, 100 min
Verleih: Sony

Genre: Drama, Biographie

Darsteller: Ethan Hawke, Andrew Scott, Margaret Qualley

Regie: Richard Linklater

Kinostart: 26.03.26

Blue Moon

Abgang eines Großen

Die Zeit und das Werden sind keine neuen Motive in Richard Linklaters Schaffen. Egal, ob es um das Altern in BOYHOOD oder um eine Romanze im Laufe der Jahre wie in der BEFORE-Trilogie geht. Dabei ist ebenso keine Neuheit, daß es gerade um das Verdichten und Überlagern zeitlicher Spuren in einem spezifischen Moment geht und Nostalgie ein wichtiger Motor sein kann.

In Linklaters neuesten Filmen haben sich solche Verwandlungs- und Zeitstudien aber zu immer kleineren, abgeschlossenen Kapseln zusammengezogen. Aus dem Vergehen ist ein vergangen geworden, und es entfernt sich immer mehr vom Heute. Die Momentaufnahme erstarrt regelrecht in ihrer Retrospektion. Ähnlich wie in NOUVELLE VAGUE unternimmt Linklater auch in BLUE MOON eine Verneigung vor bedeutenden Künstlern. Umso passender, daß beide Filme im selben Monat in die Kinos kommen.

Ethan Hawke schlüpft dabei in BLUE MOON in die Rolle des Songschreibers und Broadway-Stars Lorenz Hart, der 1943 den Bruch mit seinem kreativen Partner Richard Rodgers zu verkraften hat. Während Letzterer die Premiere seines „Oklahoma!”-Musicals feiert, zieht sich Hart in eine Bar zurück, um in Erinnerungen zu schwelgen. Es ist das Ende einer schillernden Karriere. BLUE MOON entpuppt sich somit als Drama, das bereits den Tod atmet. Um ihn noch etwas auf Abstand zu halten, inszeniert Linklater ein tragikomisches, geschliffen vorgetragenes Kammerspiel alter Schule. Den Darstellern gibt er damit alle Gelegenheit zum großen Charakterspiel. Und davon lebt dieser Schwanengesang hinter den Kulissen, dessen überbordende Dialoge altmeisterlich geschrieben, dabei aber etwas blaß bebildert sind.

[ Janick Nolting ]