Originaltitel: CALLE MÁLAGA
Spanien/F/Marokko 2025, 116 min
Verleih: Pandora
Genre: Drama, Poesie
Darsteller: Carmen Maura, Marta Etura, Ahmed Boulane
Regie: Maryam Touzani
Kinostart: 26.03.26
Einen alten Baum verpflanzt man bekanntlich nicht. Und so ist Maria Ángeles auch entsprechend schockiert, als ihre Tochter Clara ihr offeriert, daß sie Mamas Wohnung in der Altstadt von Tanger, wo sie als Teil der spanischen Community Marokkos lebt, aus Finanznot verkaufen muß. Ein Makler sei schon beauftragt, und überhaupt wäre es doch viel praktischer, wenn die Mutter zu ihr nach Madrid zöge, dann würde sie auch ihre Enkel öfter sehen. Es ist echte Not, die Clara zu so einem drastischen Schritt treibt. Sie ist alleinerziehend, und das Gehalt als Krankenschwester reicht hinten und vorne nicht. Während ihre Mama nie wirklich gearbeitet hat, sondern zeitlebens durch ihren inzwischen verstorbenen Mann versorgt wurde. Tiefe Gräben trennen Mutter und Tochter.
Aber in CALLE MÁLAGA geht es nicht darum, das Warum dieser Entfremdung näher zu ergründen oder wie sie vielleicht überbrückt werden könnte. Im Grunde dient der Mutter-Tochter-Konflikt der Regisseurin Maryam Touzani nur als Anstoß, um Bewegung ins wohleingefahrene Leben von Maria Ángeles zu bringen. Denn nach Spanien will die alte Dame nicht, Tanger ist und bleibt ihre Heimatstadt. Und im Altersheim, wo man ihr die schönen langen Haare zugunsten einer praktischen Kurzhaarfrisur abschneiden will, hält sie es nicht lange aus. Also okkupiert sie kurzerhand ihre inzwischen leergeräumte Wohnung. Mithilfe ihres Netzwerkes im Viertel und ihrer Kochkünste findet die charmante Seniorin bald eine Möglichkeit, sich ihr Leben zu finanzieren.
Würde eine andere als Carmen Maura die Hauptrolle spielen, geriete der Film schnell in Gefahr, ins Gefühlige abzurutschen. Schließlich porträtiert die Regisseurin ihre Heimatstadt Tanger sehr idealisiert als nostalgische Wohlfühlgemeinschaft der verschiedenen Kulturen und Generationen in schön in Szene gesetzten Bildern. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Maura ist die Rolle der Maria Ángeles jedoch wie auf den Leib geschneidert. Die vor allem durch die Filme Pedro Almodóvars bekannt gewordene Schauspielerin kann mit einem Blick ganze Welten ausdrücken. Sie verleiht ihrer Figur Glaubwürdigkeit, Tiefe und Anmut. Und sie hat ein Strahlen in den Augen, das die Lebensjahre vergessen läßt. Daß Liebe und Schönheit nicht nur der Jugend vorbehalten sind, wärmt doch das Herz.
[ Dörthe Gromes ]