Originaltitel: LES MUSICIENS

F 2025, 102 min
FSK 0
Verleih: Weltkino

Genre: Komödie, Drama

Darsteller: Valérie Donzelli, Frédéric Pierrot, Mathieu Spinosi, Emma Ravier

Regie: Grégory Magne

Kinostart: 06.08.26

Der Klang der Stradivari

Qualität und Qualen

Das eigentliche Wunder ist die Besetzung. Es mutet schier aussichtslos an, klassische Musiker zu finden, männliche wie weibliche, die auch als Schauspieler taugen. Mindestens so aussichtslos wie umgekehrt. Regisseur Grégory Magne ließ sie suchen. Und finden. Erspart sich und dem Kinovolk, das regelmäßig auch in Konzerten sitzt, einige notgedrungen peinliche Momente sowie unsägliche Doubles. Chapeau schon mal dafür, Monsieur Magne!

Stradivari meint nicht nur Geige. Das wußte auch ein vermögender Klassik-Gourmet, der ein modernes Werk des Komponisten Charlie Beaumont erstmalig von einem kompletten Streichquartett, das ausschließlich mit Stradivari-Instrumenten spielt, aufzuführen im Sinn hatte. Die personelle Besetzung hatte er gleichfalls schon durchgewunken, obwohl das Cello noch fehlte. Leider wird der Millionär die Erfüllung seines lang gepflegten Wunsches nicht mehr erleben dürfen. Tochter Astrid aber mag das Vermächtniskonzert gern realisieren. Sie ersteigert das fehlende Cello, mit angemessen viel Schweiß auf der Stirn, für 10,5 Mille. Plus Mehrwertsteuer. DER KLANG DER STRADIVARI beginnt mit herrlichen Bildern aus seinem Innenleben.

Nun ist dieser Film durchaus als Komödie angelegt und durchaus als Gratwanderung. Es ging gewiß darum, Erwartungen auszuhöhlen, denn nichts läge näher, als den ins abgelegene Edel-Chateau einreisenden Vierer – zwei Frauen, zwei Männer – mit so offensichtlichen Divergenzen anzulegen, daß sich die altehrwürdigen Balken während einwöchiger Probe wie von selbst biegen, bis sie brechen. Magne löst es elegant, zeigt Sinn für Szenenwitz, gar Slapstick, holt die Eigenheiten der Protagonisten mit feinem Strich ans Licht. Jung versus alt, Neid neben Respekt, eitel und nett, kooperativ neben konfrontativ, alles drin mit Lise und Apolline, Georges und Peter, die bestenfalls voneinander gehört, jedoch noch nie zusammen musiziert haben.

Zur bloßen Gaudi verkommt der Film dabei noch lange nicht, nimmt verminderte Quinten, Crescendo und Agitato mit Saiten aus Darm ausreichend ernst, erreicht seine endgültige Spieltemperatur im Grunde aber erst mit dem persönlichen Eintreffen des Komponisten Beaumont. Jetzt wird es richtiger Genuß. Auch für den Musikfreund vor der Leinwand, denn beispielsweise die gemeinsame Improvisation zum alten Appalachen-Standard „Where Did You Sleep Last Night“ ist schlichtweg göttlich!

[ Andreas Körner ]