Originaltitel: L’AFFAIRE BOJARSKI

F 2025, 129 min
FSK 16
Verleih: Progress

Genre: Krimi, Drama, Biographie

Darsteller: Reda Kateb, Bastien Bouillon

Regie: Jean-Paul Salomé

Kinostart: 30.07.26

Der perfekte Schein

Cézannes windiger Bruder

Das Internet ist schon eine putzige Sache. Beim Klickediklack auf der Pirsch nach einem Typen namens „Bojarski“ wird man gefragt: „Möchten Sie mehr über die technischen Methoden erfahren, mit denen er seine Fälschungen hergestellt hat?“ Freilich möchten wir das, jetzt, wo vielleicht die Minijobs abgeschafft werden!

Es sagt eigentlich alles: Der Pole Czes?aw „Jan“ Bojarski, den es wirklich gegeben hat, wurde von der Journaille „Cézanne des Falschgeldes“ genannt. Ein Künstler also. Bewundert, bestaunt – gejagt. Als Flüchtling kam der Ingenieur in den 40er-Jahren nach Frankreich und versuchte sich an mehreren Erfindungen, die heute Standard sind: Kaffeemaschine, Kugelschreiber, Hydraulikstuhl, Deoroller. Nur, er war eben Pole, die Willkommenskultur war für ihn keine französische Erfindung. Klamm bei Kasse, dafür unvermindert fit in den Fähigkeiten, wurde Bojarski erst zum gefragten Paß-, dann zum Geldfälscher. Hätte er den Job besser mal als Soloselbstständiger durchgezogen, dann wäre man ihm vielleicht nach immerhin 13 Jahren und flottem Schritt auf der Wohlstandsleiter nicht in die Quere gekommen, nachdem die Zentralbank ihre Francs immer wieder zu perfektionieren wußte. Bojarski aber war stets eine perfekte Gravur schneller.

Regisseur Jean-Paul Salomé, schon mit Meisterdieb Arséne Lupin und der berauschend talentierten Madame Huppert als Drogendealerin auf krummen Wegen im Kino unterwegs, macht DER PERFEKTE SCHEIN zur routinierten, von Katz, Maus und Reda Kateb getriebenen sowie vom Charme der Historie flankierten Filmpistole, die zum luftigen „Wegsehen“ in sommerlichen Tagen taugt. Zu den Meisterwerken, wie angepriesen, zählt sie sicher nicht. Bojarskis Scheine aber schon.

[ Andreas Körner ]