Originaltitel: GULLIVER’S TRAVELS

USA 2010, 85 min
FSK 6
Verleih: Fox

Genre: Literaturverfilmung, Fantasy, Kinderfilm

Darsteller: Jack Black, Amanda Peet, Emily Blunt

Regie: Rob Letterman

Kinostart: 10.02.11

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Gullivers Reisen

Dicker Mann ganz groß

Um es vorwegzunehmen: Diese Neuverfilmung des Klassikers von Jonathan Swift ist nicht die beste Adaption, die es je von diesem satirisch potenten Stoff gegeben hat. Ähnlich wie in Tim Burtons ALICE IM WUNDERLAND ging es den Machern hier nicht darum, die zeitrelevanten und mitunter sehr düsteren Aspekte einer vielschichtigen und unvergänglichen Geschichte auszuloten. Vielmehr war es das Ziel der involvierten Filmschaffenden und vor allem der Studios hinter ihnen, einen literarischen Welterfolg massentauglich und für ein jüngeres Publikum zugänglich neu aufzulegen. Ob dies nun verwerflich oder vollkommen in Ordnung ist, mögen andere beurteilen. Hier stellt sich allein die Frage, ob der Film zumindest als die familientaugliche Fantasykomödie etwas taugt, die er sein will.

Um die Geschichte wieder modern zu machen, hat man sie aus dem 18. Jahrhundert ins Jetzt verlagert und aus Gulliver, dem Schiffsarzt, Gulliver den Briefzusteller gemacht. Ein Loser vor dem Herrn, der seit Jahren im Mailroom eines Zeitschriftenverlags festhängt und heimlich in die coole Reiseredakteurin Darcy verliebt ist. Um ihr zu imponieren, gibt sich Gulliver als erfahrener Reisereporter aus und handelt sich so ungewollt einen Auftrag ein: Er soll mit einem Schiff das Bermudadreieck erkunden. Dort gerät er unversehens in einen fürchterlichen Sturm und erwacht schiffbrüchig auf der Insel Liliput, deren Bewohner ihm nur bis zum Knöchel reichen. In ihrem Königreich schafft Gulliver dank seiner Größe und dreister Lügengeschichten schnell den Aufstieg zum General des Königs. Als ein Krieg ausbricht, muß Gulliver aber beweisen, daß tatsächlich mehr in ihm steckt als der ewige Postbote.

Den Reaktionen der Kinderscharen in der Pressevorführung des Films nach zu urteilen, kommen zumindest die Jüngeren hier sehr wohl auf ihre Kosten. Erwachsene, die hoffen, daß Jack Black etwas von seinem sonst eher derben Humor mit in den Film schmuggeln durfte, werden enttäuscht. Black hält sich brav an die Regeln, und auch der Rest der Besetzung unterhält nur mäßig.

Was bleibt, ist eine sehr vorhersehbare Geschichte, die mit ein paar netten Effekten und wenigen Schmunzlern ihrem plumpen Ende ähnlich orientierungslos entgegenschippert wie Gulliver zu Beginn dem Bermudadreieck. Fantasy ohne Phantasie.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...