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Hunting Party

Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Sofort nach Verlöschen des Lichtes im Kinosaal stellt der Vorspann klar: "Nur die unglaublichsten Teile dieser Geschichte sind wahr." Aha. Dann lassen wir uns doch überraschen. Die nun folgenden Kriegsbilder dürften nicht bloß der Realität entspringen, sie stellen auch unsere Protagonisten vor, namentlich Reporter Simon Hunt und dessen Kameramann Duck. Seit langem arbeiten sie zusammen, stehen an vorderster Front in den Krisengebieten dieser Welt, ob Bosnien oder Irak. Zumindest, bis Hunt angesichts eines sinnlosen Massakers live austickt und vom Sender gefeuert wird, während Duck eine Beförderung erfährt.

Jahre später ist Hunt ganz unten angekommen, hat aber eine große Sache im Ärmel, für deren Umsetzung er seinen alten Kumpel braucht. Beide sollen den als der "Fuchs" bekannten Kriegsverbrecher Dr. Boghdanovic stellen, dafür fünf Millionen Dollar kassieren. Duck zieht mit – und bereut schnell. Denn nun entspinnt sich eine Hetzjagd, die Zwerge, gefährlich schöne Frauen, private Dramen und immer wieder mörderische Situationen involviert.

Was der Verleih als "abenteuerlichen Roadtrip und beißende Politsatire" bezeichnet, begegnet den Schrecken des Krieges stets mit Humor, was man nach kurzer Gewöhnungszeit tatsächlich richtig, vielleicht sogar wichtig finden kann, zumal Folter und Grauen nie ihren Schrecken verlieren. Zur deutlichen Zwiespältigkeit neigt dieses Vorhaben aber immer dann, wenn es über das selbst gewählte Ziel hinausschießt.

So ist es beispielsweise nicht ansatzweise komisch, die bevorstehende Tötung eines Hauptcharakters durch einen dümmlichen Handy-Gag aufzulösen. In solchen Momenten strauchelt der Film deutlich und trudelt über die Grenze zwischen Satire und billiger Komödie hinaus, irgendwo ins Nirgendwo simpler Unterhaltung, über dem in leuchtenden Lettern "Hollywood" prangt. Aber okay. Immerhin klärt der Abspann nicht nur über die eingangs erwähnten Wahrheiten auf, sondern rechnet auch konsequent gnadenlos mit ihnen ab.

Und Richard Gere als versoffener, traumatisierter Zyniker Simon Hunt darf endlich einmal beweisen, was wirklich in ihm steckt – ein gereifter Charakterdarsteller.

Originaltitel: THE HUNTING PARTY

USA/Kroatien/Bosnien-Herzegowina 2007, 103 min
Verleih: Central

Genre: Drama, Polit

Darsteller: Richard Gere, Terrence Howard, Jesse Eisenberg, Diane Kruger, James Brolin

Stab:
Regie: Richard Shepard
Drehbuch: Richard Shepard

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...