Originaltitel: JEAN VALJEAN

F 2025, 99 min
FSK 12
Verleih: Happy Entertainment

Genre: Drama, Literaturverfilmung, Historie

Darsteller: Grégory Gadebois, Bernard Campan, Alexandra Lamy, Isabelle Carré

Regie: Éric Besnard

Kinostart: 02.04.26

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Les Misérables

Zu fünft auf Museumstour

Ach je, schon wieder?! So oder ähnlich fällt er wohl aus, der Erstgedanke beim Titelblick. Hat jetzt also Éric Besnard ungewohnter Größenwahn gepackt, wollte der nachgewiesene Spezialist in intimer Erzählung Victor Hugos Monument auf die Leinwand wuchten? Nur teilweise, Besnard beschränkt sich auf die Anfänge, spürt Jean Valjeans Wandlung nach, der Transformation vom verbitterten Ex-Sträfling, dem Ausgestoßenen, hin zum Edelmütigen.

Was generell schon schade ist, weil eben Javert fehlt; mit ihm ging das klassische Spannungsfeld dahin, dieses reizvolle Katz-und-Maus-Spiel, welches sich zwei gleichzeitig vollständig unterschiedliche Männer und, betreffend „höhere Werte“, Alter Egos liefern. Andererseits pustet solche ungekannte Fokussierung frisch durch – oder könnte es zumindest. Bloß müßte Besnard dazu mehr wagen als erklärende Rückblenden plus immerhin deutlich zurückgenommene, gräulich-halbdunkle Opulenz vor spannend artifizieller Anmutung auf der Bildebene, umschmeichelt vom einnehmend melancholischem Soundtrack. Mit Grégory Gadebois (Valjean), Isabelle Carré (Baptistine) sowie Alexandra Lamy (Madame Magloire) stehen zum innehaltenden Betrachten der Pracht zudem drei stabile, bei vorherigen Zusammenarbeiten erfolgreich eingesetzte Spielerbänke bereit, neu zum Team Besnard stieß Bernard Campan als überzeugender Myriel.

Aus allen Ecken weht Museumsflair, gediegene Schönheit, der zu verfallen leicht gelingt. Wem’s genügt, mag’s gern, Mehrwoller bemerken zwar Ansätze, auch ein Film zur Zeit zu sein, aber letztlich bleibt doch Verharren im literarisch vorgegebenen Rahmen, sorgfältige Spiegelung Hugos, ohne das Abbild zu brechen.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Les Misérables ab heute im Kino in Leipzig