D 2016, 106 min
FSK 16
Verleih: Salzgeber

Genre: Drama

Darsteller: Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem, Markus Hering, Henning Peker

Regie: Leonie Krippendorf

Kinostart: 15.09.16

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Looping

Rolle(n) vorwärts

Es wäre einigermaßen töricht und besonders vom Kunstkinogourmet zudem arrogant, die Schauspielerin Jella Haase auf ihre schmerzlich flach gestrickte Chantal aus FACK JU GÖHTE zu reduzieren. Haase ist kein Häschen! Heute 24, filmt sie seit sieben Jahren querbeet durch Genres. Weil sie ein Typ ist! Weil sie gut ist! Und weil sie in manche Rolle einfach paßt. Die Lara aus 4 KÖNIGE war so eine, die Leila aus LOOPING ist es nicht minder. Dabei sieht es aus, als ob sich beide 1:1 gleichen würden. Das liegt zunächst an der Psychiatrie, in der sich die eine wie die andere Figur zu weiten Teilen aufhält.

Leila, 19, ist ein Rummelkind. Vater läßt die Autoscooter los, eine Mutter fehlt. Leilas Alltag ist überschaubar spannend, die Neckerei mit einem Brummifahrer ein veritables Ereignis, die Vergewaltigung am Ende des Tages ein tiefer Einschnitt. Frenja, gespielt von Lana Cooper, einer nächsten durchschlagenden deutschen Darstellerin, hat mit Mitte 30 Kind, Mann, Wohnung. Zwischen Essen und Kotzen liegt bei ihr nur ein Wimpernschlag, keiner sieht sie im Rückzug, keiner im Gefecht mit sich selbst. Schließlich Ann, 52, der Marie-Lou Sellem introvertierte Züge einer Frau gibt, die weiß, wann es Zeit ist zu gehen, diesen wunden Punkt aber immer wieder verfehlt. In einer Klinik am Meer treffen Leila, Frenja und Ann aufeinander. Und finden sich.

LOOPING ist das Debüt der Berliner Regisseurin Leonie Krippendorf, ein echtes Talent, wie man sagt. Sie zeigt es auch, weil sie erzählen kann, zu vielen Worten mißtraut, Fehler nicht macht, denen andere in ähnlich gearteten Filmen munter aufgesessen sind. So findet sich in LOOPING nicht ein einziges Arztgespräch. Es wäre ein Fremdkörper, denn – positiv gesehen – die meisten Szenen sind hier nicht ausgespielt, sondern durch Stimmungen angerissen. Krippendorf legt den gesamten Film in die Hände ihrer gleichsam begabten Kamerafrau Jieun Yi. Gemeinsam fixieren sie sich auf die drei Hauptdarstellerinnen, die nachgerade observiert werden. Wenn sie zusammen sind, nebeneinander liegen, wenn sich ihre Körper berühren und in Momenten zu Inseln werden.

Da fehlt ab und an schon das „Futter“, um als Zuschauer wirklich Motive verfolgen zu können, echte Rückschlüsse zu ziehen auf so etwas wie Liebe, die plötzlich da ist, angenommen oder verweigert wird. Inszenierung und Spiel aber tragen über diese Löcher hinweg.

[ Andreas Körner ]